Die Gemeinde Wien hat am gestrigen Sonntagvormittag eine weitere große Wohnhausanlage ihrer Bestimmung übergeben.[1] In einem feierlichen Akt wurde der sogenannte Harnisch-Hof an der Erdbergerlände, der insgesamt 434 Wohnungen umfasst, durch Bürgermeister Seitz eröffnet.[1]

Zu Beginn der Feierlichkeiten begrüßte Stadtrat Siegel den Bürgermeister und die erschienenen Gäste.[1] Er schilderte die Entwicklung des umfangreichen Bauprojektes und sprach dem Planverfasser, Architekten Örley, sowie allen Mitarbeitern seinen Dank für ihre Bemühungen aus.[1] Nach einer Ansprache des Bezirksvorstehers Lahner, der die kulturelle Bedeutung der neuen Volkswohnungen hervorhob, ergriff Bürgermeister Seitz das Wort.[1] Wien, so führte der Bürgermeister aus, könne mit Stolz von sich behaupten, unter den Millionenstädten Europas in der Wohnungsfürsorge voranzugehen.[1] Ein wesentliches Hindernis für eine noch umfassendere Bautätigkeit sei jedoch die unzureichende rechtliche Handhabe beim Erwerb von Grund und Boden.[1] Der Gemeinde sei es bisher nicht gelungen, ein Enteignungsgesetz durchzusetzen. Nur ein solches Gesetz würde eine planvolle und notwendige Verwendung des Bodens ermöglichen.[1] Die Regelung des Enteignungsrechtes sei eine vordringliche Aufgabe des Nationalrates, betonte Seitz.[1]

Im Anschluss an die offiziellen Reden, bei denen auch ein Vertreter der Mieter das Wort ergriff, hatten die Gäste Gelegenheit, die neue Anlage zu besichtigen.[1] Besonderes Interesse fanden dabei nicht nur die praktisch eingerichteten Wohnungen, sondern auch die zahlreichen Gemeinschaftseinrichtungen.[1] Der Bau verfügt über eine moderne Badeanlage, eine zentrale Wäscherei, eine Tagesheimstätte für Kinder, eine Volksbibliothek sowie einen städtischen Kindergarten.[1]

In einer weiteren Rede wurde die politische Bedeutung des Wohnungsbauprogramms unterstrichen.[1] Das Versprechen, 25.000 Wohnungen zu errichten, werde man vor dem Ablauf der gesetzten Frist einlösen und damit alle Zweifler beschämen.[1] Die Benennung des Hofes nach dem verstorbenen sozialdemokratischen Politiker Laurenz Harnisch solle an einen Freund erinnern, der die Kraft und Stärke verkörpert, welche die Volksmassen emporführen werde.[1] Der Vertreter der Mieter, Herr Neverkla, überbrachte den Dank der zukünftigen Bewohner.[1]