Die Verhandlungen in den Ausschüssen des Völkerbundes gestalten sich weiterhin schwierig und sind von tiefen Gegensätzen geprägt. Während in der vorbereitenden Abrüstungskommission grundsätzliche Differenzen die Arbeit lähmen, sorgte im beratenden Opium-Ausschuss ein heftiger Wortwechsel zwischen dem britischen und dem chinesischen Vertreter für einen Eklat.
In der militärischen Unterkommission für die Abrüstung offenbarte sich eine Spaltung, die den Kern des Problems berührt. Laut Berichten der *Washington Post* entzündete sich der Streit an der Frage, ob ausgebildete Reserven bei der Berechnung der Rüstungsstärke eines Landes berücksichtigt werden sollen.[1] Die Staaten mit allgemeiner Wehrpflicht — allen voran Frankreich und Italien — lehnen dies entschieden ab.[1] Ihr Argument lautet, dass zu den Friedensrüstungen nur das zähle, was ohne Mobilmachungsmaßnahmen verfügbar sei.[1] Andere Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, vertreten hingegen die gegenteilige Auffassung.[1]
Die deutsche Delegation verfolgt unterdessen eine eigene Linie. Dem Pariser *Temps* zufolge zeigte sich der deutsche Vertreter, Graf Bernstorff, verwundert über die fortwährende Betonung der Sicherheitsfrage.[2] Er soll die Ansicht vertreten haben, dass das Abkommen von Locarno und der allgemeine gute Wille eine neue Atmosphäre geschaffen hätten, die eine solche Debatte überflüssig mache.[2] Stattdessen schlug er vor, die künftige Konferenz solle sich mit einem Verbot des Luft- und Gaskrieges befassen.[2] Der *Temps* wertet dies als Versuch des Reiches, auf dem Genfer Parkett eine Revision des Versailler Vertrages voranzutreiben.[2]
Im beratenden Ausschuss für das Opium-Problem kam es zu einem schweren Zwischenfall. Wie der *Hong Kong Telegraph* und die *China Mail* übereinstimmend berichten, erhob der britische Delegierte, Sir Malcolm Delevingne, scharfe Vorwürfe gegen China.[3][4] Er beklagte, dass 200 Kilogramm Morphin und Heroin von Deutschland nach Schanghai geliefert worden seien.[3][4] Die chinesische Regierung habe zwar bescheinigt, die Drogen seien für medizinische Zwecke in den dortigen Krankenhäusern bestimmt, doch seien sie tatsächlich für andere Zwecke vorgesehen gewesen.[3][4] Trotz britischer Vorstellungen bei der chinesischen Regierung wurde die Sendung freigegeben.[4]
Diese Anschuldigung provozierte eine erregte Reaktion des chinesischen Vertreters, Herrn Chu. Er rief aus: „Großbritannien vergiftet die Welt mit seinen Drogen!“[3][4] Mit dieser scharfen Gegenanklage protestierte er gegen die gegen sein Land erhobenen Vorwürfe.[4] Der Vorfall zeigt die erheblichen Schwierigkeiten auf, den internationalen Drogenhandel wirksam unter Kontrolle zu bringen.