Der Reichsausschuss für Handel und Industrie der Deutschen Volkspartei trat am gestrigen Donnerstag in Erfurt zu einer bedeutenden Sitzung zusammen.[1] Neben zahlreichen Parlamentariern des Reiches und der Länder wohnten auch Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius der Versammlung bei. Die Sitzung wurde vom Reichstagsabgeordneten Dr. Hugo geleitet.[1]
Den einleitenden Referaten des Generaldirektors Helmut Albrecht über die Wirtschaftsnot und des Professors Leidig über Deutschlands Finanzprobleme folgte eine ausführliche Stellungnahme von Minister Curtius.[2] Dieser trat Bedenken hinsichtlich der Währungsstabilität entgegen und verteidigte die jüngste Kreditschöpfung des Reiches bei der Reichsbank.[3] Sie sei notwendig gewesen, um die Thesaurierungspolitik zu beenden, die der Wirtschaft schade.[2][3]
Dem Westfälischen Merkur zufolge betonte Dr. Curtius, dass die Notwendigkeit einer Änderung des Bankgesetzes selbst von den Reparationsgläubigern nicht bestritten werde.[3] Es handle sich nicht um direkte Kredite an das Reich, sondern um das Volumen der Schatzwechsel, die an die Wirtschaft auszugeben seien.[2] Die bisher dem Reich zustehenden 100 Millionen Mark seien unzureichend.[3] Eine Gefahr für die Währung sei bei der geplanten Gesetzesänderung nicht zu befürchten, da die Reichsmark solide fundiert sei.[2] Unsere Währung, so der Minister, sei für absehbare Zeit gesichert.[3]
Im Anschluss ergriff Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort und hielt längere, vertrauliche Ausführungen.[1] Er knüpfte dabei an seine jüngste Rostocker Rede zur Frage des Dawesabkommens an und fand lebhafte Zustimmung bei den Anwesenden.[3] Insbesondere trat Stresemann der weitverbreiteten Auffassung entgegen, dass die hohen Tarife der Reichsbahn ausschließlich durch die Bestimmungen des Dawesplans bedingt seien.[1][3] Wie der Westfälische Merkur berichtet, führte der Minister aus, dass die Reichsbahn angesichts der Lage der Reichsfinanzen auch ohne die Dawes-Verpflichtungen auf ähnliche Überschüsse angewiesen wäre.[3] Andere Steuerquellen stünden für den Ersatz dieser Einnahmen nicht mehr zur Verfügung.[3]