Die politischen Verhältnisse in Kanton spitzen sich in dramatischer Weise zu. Nach Berichten aus Hongkong hat nun auch der Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Foo Ping-shan (Fu Bingchang), die Stadt fluchtartig verlassen.[1][2] Er folgte damit dem Beispiel des früheren Bürgermeisters und Verwandten Dr. C. C. Wu, der bereits zuvor nach Shanghai geflohen war.[2]

Die Fluchtwelle unter den zivilen Beamten ist eine unmittelbare Folge des entschlossenen Vorgehens von General Tschang Kai-schek, dem Oberbefehlshaber der Kuomintang-Armee.[2] General Tschang Kai-schek hatte am vergangenen Sonntag überraschend den früheren Polizeichef von Kanton, General Wu Te-chen (Wu Tiecheng), militärisch verhaften lassen. Damit, wie die *China Mail* schreibt, verbreitete er Schrecken unter den gemäßigten Kräften der Regierung.[1] Der *Hong Kong Telegraph* berichtet, Dr. C. C. Wu sei vor seiner eigenen drohenden Verhaftung gewarnt worden. Daraufhin tauchte Wu zunächst unter und verließ später die Stadt.[2]

Die Vorwürfe gegen den inhaftierten General Wu Te-chen wiegen schwer. Die Kantoner Regierung beschuldigt ihn, mit General Lum Foo, einem Verbündeten der nach Kwangtung vorrückenden Truppen aus Kiangsi, in Verbindung gestanden zu haben.[2] Außerdem soll er in ein Komplott zur Sprengung des Pulvermagazins von Whampoa verwickelt gewesen sein, bei dem es zu einer heftigen Explosion kam.[2] In dem Lager befanden sich, wie berichtet wird, kürzlich aus Sowjetrussland eingetroffene Waffen- und Munitionslieferungen.[2]

Die Maßnahmen Tschang Kai-scheks haben zu einer ernsten Krise innerhalb der Regierung geführt. Berichten zufolge appellierten sowohl Dr. C. C. Wu als auch Sun Fo, der Sohn des verstorbenen Staatsgründers Sun Yat-sen, zweimal vergeblich bei General Tschang Kai-schek für die Freilassung von General Wu.[2] Tschang Kai-schek soll erwidert haben, es gebe Beweise für dessen Beteiligung an einer Rebellion gegen die Regierung.[2] Nach dieser Zurückweisung reichte Dr. C. C. Wu seinen Rücktritt ein. Auch Sun Fo erwägt diesen Schritt.[2] Zum amtierenden Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten wurde unterdessen Lam Chi-fung ernannt.[1]