Der langwierige Streit um das Vilajet Mossul ist, wie aus Angora berichtet wird, endgültig beigelegt worden.[1][2] Ein entsprechendes Abkommen wurde in der türkischen Hauptstadt unterzeichnet.[1] Für Großbritannien signierte Sir Ronald Lindsay. Für die Türkei leisteten Außenminister Tewfik Ruschdi Bey und General Nuri Pascha ihre Unterschriften.[1] An der Unterzeichnung beteiligte sich auch ein Vertreter der Regierung von Bagdad, der mit dem Flugzeug eingetroffen war.[1]
Wie das Reutersche Bureau meldet, sind die zugehörigen Protokolle über die Grenzsicherheit, die genaue Absteckung der Demarkationslinie sowie die Zollfragen bereits zur Unterzeichnung bereit und dürften am Sonnabend paraphiert werden.[2] Mit dieser Einigung verschwindet der letzte große Reibungspunkt in den englisch-türkischen Beziehungen. Nach Einschätzung diplomatischer Kreise könnte dies den Weg für neue politische Kombinationen in Vorderasien ebnen.[1]
Obwohl der genaue Wortlaut des Vertrages noch nicht bekannt ist, äußert sich die türkische Presse bereits ausführlich.[1] Dem Pariser Le Temps zufolge drückt der allgemeine Ton keine Zufriedenheit aus.[1] Anerkannt wird, dass das Abkommen nichts enthalte, was die Türkei erfreuen könne, da Mossul für das Land endgültig verloren sei.[1] Gleichzeitig räumen die Kommentatoren jedoch ein, dass es der Türkei kaum möglich gewesen wäre, sich in ein blutiges Abenteuer mit ungewissem Ausgang zu begeben.[1]
Die Zeitung Vahit führt hierzu aus, die Abtretung Mossuls ergebe sich aus der Tatsache, dass die nationalen Interessen an dieser Grenze durch den Sicherheitspakt nun endgültig geregelt seien.[1] Es sei in jedem Fall besser gewesen, als Feindseligkeiten gegen England zu beginnen.[1] Die Presse ist sich laut Le Temps darin einig, dass von dem Abkommen eine ernsthafte Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Lage der Türkei zu erwarten sei, sofern England die getroffenen Sicherheitsgarantien respektiere.[1]