Einem geladenen Publikum wurde in diesen Tagen ein Filmwerk vorgeführt, das sich in seinem künstlerischen Aufbau und in der Realistik seiner Handlung deutlich von allem bisher auf der Leinwand Gebotenen abhebt.[1] Es handelt sich um den ersten großen russischen Originalfilm mit dem Titel „Panzerkreuzer Potemkin“, ein Erzeugnis des sogenannten ‚Proletkult‘.[1]

Die Handlung stützt sich auf eine historische Begebenheit aus dem Jahre 1905: die Meuterei auf dem gleichnamigen Schlachtschiff.[1] Doch es ist nicht allein die dramatisch gestaltete Handlung, die, abgesehen von der auffällig stark betonten Tendenz, das Publikum bewegt.[1] Wie aus dem Bericht der Wiener Zeitung hervorgeht, machen vor allem das Zusammenspiel von Massen und Einzelnen sowie die Ausrichtung auf das Allgemeine und Symbolische den starken Eindruck des Werkes aus.[1] Die Regie führte Eisenstein, dem es gelang, Stimmungen von großer Eindringlichkeit zu schaffen.[1]

Besonders hervorgehoben wird die Darstellung der unendlichen Niedergeschlagenheit der misshandelten Matrosen. Ebenso eindrucksvoll erscheint der starre, fast leblose Mechanismus der Kosakensoldaten, von denen man schließlich nur noch die gleichmäßig stapfenden Stiefel sieht.[1] Diese Eindrücke wirken mit besonderer Wucht auf den Betrachter.[1] Dazu wird eine eigenartige Musik eingesetzt, die den Lärm der Maschinen und das Branden der See nachahmt. Dadurch wird die Wirkung des Films erheblich gesteigert.[1] Nach Urteil der Rezension handelt es sich bei dem Film um eine realistische, harte und brutale Kunst — eine Kunst der Verzweiflung.[1]