Im Dresdner Landtagsgebäude fand am gestrigen Sonntag der erste Parteitag der sogenannten sächsischen Rechtsozialisten statt, der die Gründung der „Alten Sozialdemokratischen Partei Sachsens“ (ASPS) vollzog.[1][2] Die Veranstaltung war aus allen Teilen des Landes stark besucht. Besonders Aufsehen erregte die Tatsache, dass gerade aus den radikalen Hochburgen Leipzig, Chemnitz und Plauen zahlreiche Vertreter erschienen waren.[1]

Zu gleichberechtigten Präsidenten der Versammlung wurden der Ministerpräsident Max Heldt und der frühere Ministerpräsident Wilhelm Buck gewählt. Damit sollte, wie es hieß, bereits hierdurch ein klares Programm ausgedrückt werden.[1] In seiner programmatischen Rede legte Buck die Ziele der neuen Partei dar.[2] Das zentrale Unterscheidungsmerkmal zu den Radikalen sei das Bekenntnis zur positiven Mitarbeit im Staate.[1] Ziel sei es, die Partei aus der Umklammerung durch die radikale Führung zu befreien und ein Sammelbecken für alle konstruktiven Kräfte zu schaffen.[1] Die Redner betonten, dass man den Konflikt nicht auf das Reich ausdehnen wolle. Mit der Politik der Gesamtpartei fühle man sich weiterhin verbunden.[2]

Die neuen Parteistatuten, die einstimmig angenommen wurden, bekräftigen dieses Ziel.[1][2] Sie enthalten das Bekenntnis zu den Grundsätzen der deutschen Sozialdemokratie und dem Heidelberger Programm.[2] Eine bemerkenswerte Neuerung legt jedoch fest, dass bei wichtigen politischen Anlässen die Landtagsfraktion die endgültige Entscheidungsgewalt besitzt. Dies bedeutet eine deutliche Abkehr von der bisherigen Dominanz der Parteiorganisationen.[1]

Zum ersten Vorsitzenden der neuen Partei wurde der frühere Ministerpräsident Wilhelm Buck gewählt.[1] Ihm zur Seite steht als zweiter Vorsitzender der Landtagsabgeordnete Wirth, der zugleich Landesvorsitzender des freigewerkschaftlichen Eisenbahnerverbandes ist.[1] Zur Unterstützung der organisatorischen Arbeit soll zudem eine neue Zeitung gegründet werden. Für diese ist bereits ein erheblicher finanzieller Grundstock vorhanden.[1] Die Versammlung schloss mit einem Hoch auf die neue Partei und die Sozialdemokratie.[2]