In der Frage des seit langem andauernden Streiks und Handelsboykotts gegen Hongkong zeichnet sich eine neue Entwicklung ab. Aus Kanton sind die Herren Ma Pak-lin und Leung Pui-ki, zwei Vertreter der dortigen vier Handelskammern, in der britischen Kronkolonie eingetroffen, um Möglichkeiten für eine Beilegung des Konflikts zu sondieren.[1]
Die beiden Abgesandten haben im Hotel „King Edward“ Quartier genommen. Sie führten bereits erste Unterredungen; deren Charakter wird jedoch als gänzlich inoffiziell beschrieben.[1] Wie der Hong Kong Telegraph berichtet, trafen sie mit den chinesischen Mitgliedern des Legislativrates, Sir Shou-son Chow und Dr. R. H. Kotewall, zu einem Meinungsaustausch zusammen.[1] Auf ihrer Tagesordnung stehen außerdem Besprechungen mit der Chinesischen Handelskammer von Hongkong sowie mit dem Verband der 24 Handelsgilden.[1][2]
Das Ziel der Mission ist dem Vernehmen nach nicht die Übermittlung festgelegter Forderungen. Vielmehr soll eine neue Grundlage für Verhandlungen geschaffen werden. Nach Angaben der Zeitung China Mail verfolgen die Delegierten den Plan, ein gemeinsames Gremium zu schaffen, das die Kaufmannschaft beider Städte — Kanton und Hongkong — vertritt.[2] Diese Körperschaft soll anschließend ihrerseits an die beiden Regierungen herantreten, um eine Verständigung herbeizuführen.[2] Ein Beobachter, der mit der Lage vertraut ist, äußerte sich gegenüber dem Blatt jedoch zurückhaltend. Er meinte, mit greifbaren Ergebnissen sei erst dann zu rechnen, wenn die Kantoner Seite ihre Haltung grundsätzlich ändere.[2]
Unterdessen hat die Kantoner Regierung auch ihrerseits Vorbereitungen für offizielle Verhandlungen getroffen. Laut Berichten aus Kanton wurden der Außenminister Eugene Chen, der Finanzminister T. V. Soong und der Direktor der Abteilung für politische Schulung, Chen Kung-pok, damit betraut, die Gespräche über eine Beilegung des Boykotts zu führen.[1] Es wird vermutet, dass die Regierung in Kanton — angesichts sinkender Staatseinnahmen — an einer raschen Lösung des Konflikts interessiert ist. Der Boykott belastet den Handel in der gesamten Region erheblich.[1]