Der französische Außenminister Briand hat sich in einer an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichteten Note für die Schaffung einer internationalen Konvention gegen die Falschmünzerei ausgesprochen.[1][2] Obwohl die ungarische Frankenfälschungsaffäre in dem Schreiben mit keinem Wort erwähnt wird, steht der Vorstoß in offenbarem Zusammenhang mit diesen jüngsten Ereignissen.[2][3] Die französische Regierung beantragt, dass der Völkerbundrat einen Sonderausschuss internationaler Sachverständiger einsetzt, der die Vorarbeiten für ein solches Abkommen aufnehmen soll.[2][3]
In der Note wird dargelegt, dass das Verbrechen der Geldfälschung weit über den Schaden für den betroffenen Staat hinausgehe.[1] Es stelle nicht nur eine Gefahr für den Kredit des einzelnen Landes dar, sondern könne infolge der wachsenden wirtschaftlichen Solidarität zwischen den Nationen auch die öffentliche Ordnung des internationalen Lebens empfindlich stören.[1][4] Dem Figaro zufolge betont das Schreiben, es sei „Interesse und Pflicht aller Staaten“, sich durch vertragliche Regelungen gegenseitig Beistand zu leisten, um das „internationale Verbrechen“ der Falschmünzerei wirksamer zu bekämpfen.[5] Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Anstrengung ergebe sich auch daraus. Solche Fälschungen erfolgen meist im Ausland, wo die Verwertung der falschen Noten leichter möglich ist.[1]
Konkret schlägt die französische Regierung drei zentrale Maßnahmen vor, die in der künftigen Konvention verankert werden sollen.[1] Zunächst wird eine engere und besser geregelte Zusammenarbeit der Gerichts- und Polizeibehörden der verschiedenen Staaten gefordert.[1] Ferner soll die Fälschung ausländischer Währungen künftig im selben Umfang bestraft werden wie die Fälschung des eigenen Geldes.[1][2] Als dritte und wichtigste Neuerung wird die Errichtung eines internationalen Amtes angeregt, das in Verbindung mit den nationalen Münzbehörden den Ursprung gefälschter Banknoten und die Verfahren der Fälscher zentral ermitteln und dokumentieren würde.[1][2]
Nach Angaben der Neuen Freien Presse wird diese Initiative in Genfer Völkerbundkreisen als ein Symptom sich anbahnender Entspannung gewertet.[1] Man sieht darin den Versuch Briands, die politisch heikle Diskussion um die Frankenfälschungen von der politischen Ebene auf das rein strafrechtliche Gebiet zu verlagern.[1] Die vorgeschlagene Konvention, so heißt es in der Note weiter, würde sich zwanglos in den Rahmen bestehender internationaler Abkommen einfügen, wie sie etwa zur Unterdrückung des Mädchenhandels beschlossen wurden.[1] Aus der ungarischen Delegation verlautet, dass man den französischen Schritt begrüße und die Forderungen im Völkerbund unterstützen werde.[1]