Das österreichische Komitee des Völkerbundrates hat in seiner heutigen Sitzung formell die Aufhebung der Finanzkontrolle in Österreich beschlossen.[1][2] Diese Maßnahme bedeutet das Ende einer fast vierjährigen Periode internationaler Aufsicht und wird mit Ende dieses Monats wirksam.[1] Der Generalkommissar des Völkerbundes in Wien, Dr. Zimmermann, wird ebenfalls Ende Juni seinen Posten verlassen.[1]

Die entscheidende Sitzung fand unter dem Vorsitz des britischen Außenministers Chamberlain statt.[2] Anwesend waren Ministerpräsident Briand für Frankreich, Scialoja für Italien und Dr. Beneš für die Tschechoslowakei; die österreichische Regierung war durch Bundeskanzler Dr. Ramek vertreten.[2] Zunächst erstattete der Generalkommissar Dr. Zimmermann Bericht und stellte fest, dass Österreich alle übernommenen Verpflichtungen erfüllt habe. Deshalb stehe der Aufhebung der Kontrolle nichts mehr im Wege.[2] Auch der Präsident des Finanzkomitees, Dubois, schloss sich dieser Einschätzung an und verlas die entsprechende Resolution seiner Körperschaft.[2]

Auf Antrag Chamberlains wurde der Beschluss einstimmig angenommen und dem Völkerbundrat zur endgültigen Bestätigung vorgelegt.[2] Der Vorsitzende beglückwünschte Bundeskanzler Ramek zu diesem günstigen Ergebnis. Er führte dies auf das zielbewusste Bemühen der österreichischen Regierung sowie die opferwillige Mitarbeit des Parlaments und der gesamten Bevölkerung zurück.[2] Auch die übrigen Mitglieder des Komitees sprachen dem Bundeskanzler ihre Anerkennung aus.[2] In seinem Schlusswort erklärte Dr. Ramek, das österreichische Volk wisse zu schätzen, was der Völkerbund zur Ermöglichung des Sanierungswerkes geleistet habe.[2]

Über die eigentliche Aufhebung der Kontrolle hinaus wurden zwei weitere für Österreich wichtige Anträge genehmigt.[2] Wie Bundeskanzler Ramek in einem Gespräch mit der Presse erläuterte, wurde zum einen die Möglichkeit zur Ausgabe kurzfristiger Kassenscheine bewilligt. Dies dürfte die Finanzgebarung erleichtern.[2] Zum anderen hat das Finanzkomitee die Freigabe von 27 Millionen Schilling aus den Resten der Völkerbundanleihe für den Ausbau des österreichischen Telefonnetzes gebilligt.[2] Dubois bezeichnete diese Kabelbauten als produktive Anlagen und hielt eine solche Investition für gerechtfertigt.[2]

Nach Angaben der Neuen Freien Presse wurde in den Verhandlungen allgemein anerkannt, dass Österreich mit dem Ausbau seines Kabelnetzes nicht nur der eigenen Wirtschaft dient, sondern als wichtiges Transitland auch die friedliche Verständigung in Europa fördert.[2] Ramek selbst führte aus, die Genfer Beschlüsse bedeuteten eine Auszeichnung für Österreich und belegten vor der Welt, dass die Stabilität der Republik gewährleistet sei und ihre weitere Entwicklung Vertrauen verdiene.[2]