Die finnische Eisenbahnverwaltung prüft gegenwärtig ein umfassendes Gutachten zur Elektrifizierung des staatlichen Schienennetzes, das ihr kürzlich vorgelegt wurde.[1] Verfasser der Expertise ist Professor B. Vuolle, der bereits im Jahre 1923 mit der Untersuchung der technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein solches Vorhaben betraut worden war.[1]
Dem Gutachten zufolge hat das finnische Eisenbahnwesen, insbesondere auf den südlichen Hauptstrecken, die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit unter Dampfbetrieb erreicht.[1] Professor Vuolle legt dar, dass die Einführung der elektrischen Zugförderung weit mehr als den bloßen Ersatz von Dampf- durch Elektrolokomotiven bedeutet. Es handele sich vielmehr um eine grundlegend neue Betriebsmethode.[1] Die nahezu unbegrenzt verfügbare elektrische Kraft ermögliche eine erhebliche Steigerung der Transportkapazität und der Fahrgeschwindigkeiten, ohne dass kostspielige Erweiterungen wie der Bau zusätzlicher Gleise erforderlich wären.[1]
Als entscheidenden volkswirtschaftlichen Vorteil hebt der Bericht hervor, dass teure Importkohle durch heimische Energiequellen — vornehmlich Wasserkraft — ersetzt werden könnte.[1] Die für eine Umstellung erforderlichen Investitionen seien sorgfältig abzuwägen. Der gegenwärtige Zeitpunkt sei jedoch eine Wegscheide, an der eine grundlegende Entscheidung getroffen werden müsse.[1] Eine Modernisierung des bestehenden Betriebs mit schwereren und schnelleren Dampflokomotiven würde ebenfalls erhebliche Ausgaben für die Verstärkung des Oberbaus nach sich ziehen.[1]
Für die praktische Umsetzung schlägt das Gutachten ein stufenweises Vorgehen vor. Zunächst soll der Nahverkehr im Großraum Helsingfors elektrifiziert werden. Dieses Vorhaben gilt als wirtschaftlich sicher und mit verhältnismäßig geringem Kapitalaufwand als realisierbar.[1] Unmittelbar danach sei die Elektrifizierung der wichtigen Fernverkehrsstrecke von Helsingfors nach Wiborg in Angriff zu nehmen.[1] Als weitere Projekte werden unter anderem die Linien nach Tampere und Turku genannt.[1] Im Schlusswort empfiehlt Professor Vuolle, die staatliche Energiepolitik so auszurichten, dass der künftigen Elektrifizierung der Bahnen keine Hindernisse im Wege stehen.[1]