Der berühmte katalanische Architekt Antoni Gaudí ist am Donnerstagnachmittag um zehn Minuten nach fünf Uhr in einem hiesigen Krankenhaus verstorben.[1] Nach einem tragischen Unglücksfall vor wenigen Tagen befand sich der Baumeister in einem langsamen Todeskampf. Dieser wurde nur von kurzen Augenblicken der Geistesklarheit unterbrochen.[1]

Die Nachricht vom Ableben des großen Künstlers hat in der Stadt tiefe Trauer ausgelöst. Wie die Madrider Zeitung El Sol berichtet, haben die Verwaltung des Tempels der Sagrada Família und die Leitung des Hospitals de la Santa Cruz gemeinsam beschlossen, die Totenkapelle in den Räumen des Krankenhauses einzurichten.[1] Für die Beisetzung ist ein besonderer Ort vorgesehen. Auf Bitten des Bischofs und der Tempelverwaltung hat der Bürgermeister telegrafisch bei Kardinalstaatssekretär Gasparri in Rom die Genehmigung des Papstes erbeten, Gaudí in der Krypta seines unvollendeten Lebenswerkes, der Kirche Sagrada Família, beisetzen zu dürfen.[1]

Gaudí, der als Schöpfer einer neuen, mystisch-naturalistischen Baukunst galt, lebte trotz der Möglichkeit hoher Honorare in großer Bescheidenheit.[1] Er war der Sohn eines einfachen Kesselmachers und kleidete sich stets schlicht.[1] Dem Vernehmen nach verwendete er den größten Teil seiner Einnahmen für Almosen und wohltätige Werke.[1] Eine Abordnung von Architekten, die das Werk des Verstorbenen bewunderten, erhielt die Erlaubnis, am Totenbett Wache zu halten.[1]