Die Bemühungen, den langjährigen Gebietsstreit zwischen Chile und Peru um die Provinzen Tacna und Arica beizulegen, treten in eine neue Phase ein. Dem Pariser Temps zufolge setzt das amerikanische Außenministerium seine direkten Verhandlungen mit den Regierungen von Chile, Peru und dem ebenfalls interessierten Bolivien fort, um eine endgültige Regelung zu erzielen.[1] Im Mittelpunkt der Erörterungen steht der Vorschlag, das umstrittene Territorium zwischen den Parteien aufzuteilen. Auch die Möglichkeit eines ergänzenden Plebiszits wird geprüft.[1]
Allerdings ist der Weg einer Volksabstimmung mit erheblichen Hindernissen verbunden. Ein solches Verfahren gilt gegenwärtig als kaum durchführbar, da die chilenische Regierung sich weigerte, die notwendigen Garantien für die Sicherheit der Stimmberechtigten zu übernehmen.[1] Diese Weigerung hat die Arbeit der eingesetzten Plebiszitkommission praktisch zum Erliegen gebracht.
Angesichts dieser verfahrenen Lage wird in Washington offenbar eine Lösung durch ein Schiedsverfahren bevorzugt. Aus dem Bericht des Temps geht hervor, dass nach Aussage einer hochgestellten amerikanischen Persönlichkeit der Konflikt durch einen Schiedsspruch beigelegt werden könnte. Präsident Coolidge soll mit der Leitung betraut werden.[1] Da der Versuch, den Willen der Bevölkerung durch eine direkte Abstimmung zu ermitteln, bisher ohne Erfolg blieb, richtet sich die Hoffnung nun auf eine diplomatische Vermittlung durch die Vereinigten Staaten. Auf diese Weise erhofft man sich eine stabile Ordnung in dieser politisch bewegten Region Südamerikas.[1]