Im Sächsischen Landtag ist die Kulturpolitik der Regierung für die wendische Bevölkerungsgruppe Gegenstand einer Auseinandersetzung geworden.[1] Auf eine Anfrage aus den Reihen der Kommunisten, die der Regierung eine unterdrückende Schulpolitik nach altem preußischen Vorbild vorwarfen, antwortete Volksbildungsminister Dr. Kaiser mit einer entschiedenen Verteidigung des eingeschlagenen Weges.[1]

Dem Bericht der Sächsischen Staatszeitung zufolge bezeichnete der Minister die Behandlung der Wenden in Sachsen als vorbildlich.[1] Die kulturelle Bewegung dieser Minderheit sei nicht behindert worden; vielmehr fördere man sie gezielt.[1] Als oberstes Ziel müsse jedoch die Eingliederung in den deutschen Staat sowie die Aufnahme des deutschen Kulturgutes gewahrt bleiben.[1]

Als konkretes Beispiel für diese Politik nannte Dr. Kaiser die Einführung eines wendischen Lesebuchs. Mit dieser Maßnahme stehe Sachsen in Deutschland allein da.[1] Diese Haltung habe bereits den Widerspruch anderer Schulverwaltungen hervorgerufen. Diese befürchteten eine Stärkung deutschfeindlicher Strömungen.[1] Trotzdem habe die preußische Regierung unlängst Vertreter entsandt, um die sächsischen Wendenschulen zu besichtigen.[1] Der Minister betonte abschließend, dass der Unterricht in wendischer Sprache notwendig sei. Nur auf diese Weise könnten die Lehrer den Kindern die deutsche Kultur wirksam vermitteln.[1]