Prag, 11. Juni. (Eigener Drahtbericht.)

Nach einer kommunistischen Protestversammlung gegen die neuen Agrarzölle ist es am Freitagnachmittag in Prag zu schweren Straßenkämpfen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.[1] Die Kundgebung auf dem Havlicek-Platz, an der laut Berichten des *Berliner Tageblatts* etwa zwei- bis dreitausend Personen teilnahmen, verlief zunächst ohne Zwischenfälle.[2] Als die Versammlung gegen Abend endete, formierte sich jedoch ein Demonstrationszug, der trotz eines polizeilichen Verbots versuchte, in Richtung des Wenzelsplatzes vorzudringen.[2][3]

In der Heinrichgasse stellte sich den Demonstranten ein starkes Polizeiaufgebot entgegen.[2] Ein Lastwagen versuchte vergeblich, den Kordon der Schutzmannschaften zu durchbrechen, wie der *Vorwärts* meldet.[3] Berittene Polizei und Kräfte zu Fuß drängten die Menge daraufhin zurück auf den Havlicek-Platz. Dort verschärfte sich die Lage rasch.[2][3] Aus der Menge wurde die Polizei mit Steinen beworfen, woraufhin die Beamten scharf einschritten.[2][1]

Die Auseinandersetzungen verlagerten sich in die Nähe des Stadtparks, wo sich die Demonstranten erneut sammelten.[2] Nach Angaben der *Neuen Freien Presse* wurden dort berittene Polizisten von ihren Pferden gerissen und misshandelt. Die Polizei unternahm zwei Angriffe, die mit Steinen und Knüppeln abgewehrt wurden.[1] Schließlich fielen Schüsse. Die Polizei gab an, dass auch aus der Menge geschossen worden sei, was andere Berichte jedoch nicht bestätigen.[2] Dem *Vorwärts* zufolge wurde ein Mann an der Hand getroffen und durchschossen.[3] Erst nach wiederholten Angriffen der berittenen Polizei, die von Fußtruppen unterstützt wurde, gelang es, die Menge in den Vorort Zizkov zurückzudrängen.[2][1] Auch dort kam es nochmals zu einer Schießerei.[2] Zu den schwersten Ausschreitungen kam es laut Wiener Blättern im Stadtteil Karolinenthal. Dort sammelten sich Eisenbahner, die die Polizei von einem Bahndamm aus mit Steinen bewarfen.[1]

Erst gegen Abend gelang es der Polizei, die Straßen vollständig zu räumen.[3] Es wurden zahlreiche Personen verhaftet.[2][3] Unter den Verletzten befand sich auch der kommunistische Abgeordnete Harus, den ein Schlag mit einem Gummiknüppel am Kopf traf.[1] Die Unruhen stellen den bisherigen Höhepunkt mehrwöchiger Proteste in der Tschechoslowakei gegen die Zollerhöhungen dar, die nach Ansicht weiter Kreise eine erhebliche Verteuerung mit sich bringen werden.[1]