Der Präsident der Reichsbank, Dr. Hjalmar Schacht, hat seinen Austritt aus der Deutschen Demokratischen Partei erklärt.[1][2] Dieser Schritt, der in politischen Kreisen bereits seit einiger Zeit erwartet worden war, erfolgte als direkte Reaktion auf die Haltung der Partei zum bevorstehenden Volksentscheid über die entschädigungslose Enteignung der früheren Fürstenhäuser.[3]

In einer Begründung, deren Inhalt aus dem Umfeld Schachts bekannt wurde, wird die Sorge um die Stabilität der deutschen Wirtschaft als zentrales Motiv genannt.[1] Wie der „Tag“ berichtet, habe Dr. Schacht schon seit längerer Zeit die Politik der demokratischen Reichstagsfraktion zunehmend kritisch gesehen.[1] Der entscheidende Anlass für den Austritt sei jedoch der kurz vor Pfingsten gefasste Beschluss des Parteiausschusses gewesen, die Abstimmung zum Volksentscheid freizustellen.[1] Dr. Schacht vertrete die Auffassung, dass er die Verantwortung, die er für die deutsche Wirtschaft trage, mit dieser Stellungnahme nicht mehr vereinbaren könne.[1] Weiterhin wird darauf verwiesen, dass im Ausland die Missstimmung gegenüber Deutschland wieder zunehme, da man im Zusammenhang mit dem Enteignungsbegehren eine neue wirtschaftliche Krise befürchte.[1]

Vonseiten des „Demokratischen Zeitungsdienstes“ wird demgegenüber betont, dass sich Dr. Schacht „in keiner anderen Frage als der des Volksentscheides in Konflikt mit der Parteileitung befunden habe“.[1] Diese Darstellung wird jedoch in anderen Teilen der Presse bestritten. Dem *Hamburger Echo* zufolge ist der Austritt keineswegs überraschend, sondern die Konsequenz einer langen wirtschaftspolitischen Entwicklung nach rechts.[2] Die Zeitung erinnert an frühere Auseinandersetzungen. Dazu zählt Schachts Polemik gegen die Ausweitung staatlicher Sozialpolitik ebenso wie seine Angriffe auf die sogenannte „kalte Sozialisierung“. Ebenso wird seine Bestrebung hervorgehoben, Kredite vor allem der Privatindustrie und nicht den Gemeinden zugutekommen zu lassen.[2]

Die *Deutsche Allgemeine Zeitung* sieht in dem Vorgang eine Bestätigung für den Linkskurs der Demokratischen Partei unter der Führung des Herrn Koch.[3] Die Entschließung der Partei zum Volksentscheid wird als bewusst zweideutig kritisiert, da sie es jedem erlaube, das ihm Beliebige herauszulesen.[3] Dennoch fördere die Partei in ihrer gesamten Propaganda den Volksentscheid, was aus der Haltung der demokratischen Presse Berliner Richtung kein Hehl mache.[3] Als Beispiel führt das Blatt die *Frankfurter Zeitung* an, die ihre Unterstützung des Volksentscheides damit begründet, den „unentbehrlichen Druck auf die parlamentarischen Körperschaften“ ausüben zu wollen.[3]