Die britische Regierung hat in einer scharfen Note gegen die finanzielle Unterstützung des englischen Generalstreiks durch Sowjetrussland protestiert, wie Außenminister Sir Austen Chamberlain am Montag im Unterhaus bekannt gab.[1] Diese Maßnahme offenbart die tiefen Spannungen, die nicht nur die diplomatischen Beziehungen zwischen London und Moskau belasten. Sie sorgt auch innerhalb des konservativen Kabinetts für erhebliche Auseinandersetzungen.[1]
Chamberlain verlas den Wortlaut eines Memorandums, das dem britischen Geschäftsträger in Moskau zur Übermittlung an die Sowjetregierung aufgetragen wurde.[1] Darin wird die Handlung des sowjetischen Finanzkommissariats, die Ausfuhr von Geldern zur Unterstützung des Generalstreiks genehmigt zu haben, als unvereinbar mit freundschaftlichen Beziehungen bezeichnet.[2] Die britische Regierung könne diesen Vorgang nicht stillschweigend hinnehmen, da der Streik ein „ungesetzlicher und verfassungswidriger Akt“ sowie eine „ernsthafte Bedrohung der etablierten Ordnung“ gewesen sei.[2] Chamberlain teilte mit, er habe dem sowjetischen Geschäftsträger in London wiederholt erklärt, dass die antibritische Propaganda das Haupthindernis für eine Verbesserung der Beziehungen darstelle.[3]
Diese gemäßigte Form des Protests genügte zahlreichen Abgeordneten der Konservativen Partei nicht.[1] So fragte Sir Alfred Mond, ob die sowjetische Aktion einen direkten Bruch des Handelsabkommens von 1921 darstelle und ob die Regierung dessen Aufkündigung erwäge.[1] Andere Parlamentarier forderten sogar ein Verbot des Verkaufs von in Russland beschlagnahmten englischen Gütern, etwa Petroleum aus ehemals britischen Bohranlagen. Chamberlain lehnte dies jedoch ab.[1]
Nach dem Vernehmen entsprechen diese Forderungen einem Machtkampf innerhalb der Regierung.[1] Eine Gruppe um Schatzkanzler Churchill und Innenminister Joynson-Hicks dringt auf eine härtere Gangart gegenüber Moskau.[1] Chamberlain selbst, dessen Position durch den jüngsten Vertragsabschluss mit der Türkei gestärkt ist, bemüht sich hingegen, die Angelegenheit zu beruhigen.[1] Nach Berichten des Pariser Figaro hat die britische Haltung in Leningrad bereits Wirkung gezeigt. Im sowjetischen Außenkommissariat herrscht große Verwirrung über die entschiedene Kampagne der englischen Presse.[3]