Die Vermittlungsbemühungen im jahrzehntealten Grenzstreit zwischen Chile und Peru um die Provinzen Tacna und Arica sind am Montag an einem entscheidenden Punkt angelangt. Die eingesetzte Plebiszit-Kommission hat in einer folgenschweren Sitzung eine Resolution angenommen, die eine Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit des Gebiets für undurchführbar erklärt.[1] Der Antrag stammte vom amerikanischen Vorsitzenden der Kommission, General Lassiter, der zur Begründung anführte, Chile habe den Schiedsspruch des Vermittlers — des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Coolidge — vereitelt und damit eine freie und faire Abstimmung unmöglich gemacht.[2][1]

General Lassiter erläuterte diesen Schritt in einer ausführlichen Erklärung.[1] Er führte aus, dass in den Akten der Kommission seit Januar Hunderte von Berichten und Beschwerden über Übergriffe auf Peruaner dokumentiert seien.[1] Zwar sei eine vollständige Untersuchung aller Fälle nicht möglich gewesen, doch lasse die Fülle an Beweisen keinen Zweifel daran, dass im Abstimmungsgebiet Zustände herrschten, die mit der Ausübung legitimer politischer Tätigkeiten unvereinbar seien.[1] Lassiter sprach von einer systematischen Einschüchterung der peruanischen Bevölkerung durch Gewalttaten, willkürliche Deportationen, ungeklärte Verschleppungen und sogar Mordfälle.[1] Peruaner, die aus dem Gebiet vertrieben wurden, hätten von den chilenischen Behörden zudem keine Möglichkeit zur rechtzeitigen Rückkehr und Registrierung für die Wahl erhalten.[1] Der Leiter der chilenischen Delegation, Senator Augustin Edwards, widersprach dieser Darstellung entschieden und bestritt die Befugnis der Kommission, das Plebiszit abzusagen.[1]

Die Nachricht aus Arica löste umgehend heftige diplomatische Reaktionen aus. Dem Washingtoner *Evening Star* zufolge soll die chilenische Regierung ihren Botschafter in Washington angewiesen haben, die dort unter Vermittlung der Vereinigten Staaten geführten direkten Verhandlungen mit Peru abzubrechen.[1] Der Gesandte selbst äußerte sich zurückhaltend über seine Zukunft, doch in diplomatischen Kreisen wird seine Abberufung erwartet.[1] In der peruanischen Hauptstadt Lima kam es nach Eingang der Nachrichten zu längeren Konferenzen zwischen Präsident Leguía und Regierungsvertretern; über deren Inhalt wurde Stillschweigen bewahrt.[1] Aus Washington wird gemeldet, dass dort mit einem baldigen Ende des gesamten Schlichtungsverfahrens gerechnet wird.[2]