Aus der indischen Provinz Pandschab treffen beunruhigende Nachrichten über schwere religiöse Unruhen ein. In der Stadt Pindi, dem heutigen Rawalpindi, kam es in der Nacht zum Dienstag zu blutigen Zusammenstößen zwischen Angehörigen der Sikh-Sekte und der mohammedanischen Bevölkerung. Diese Unruhen nahmen einen aufruhrähnlichen Charakter an.[1] Die Auseinandersetzungen forderten nach den neuesten Meldungen zahlreiche Menschenleben und verursachten beträchtlichen Sachschaden.[2][3]
Über den unmittelbaren Anlass der Krawalle liegen widersprüchliche Berichte vor. Ersten Meldungen zufolge sollen die Streitigkeiten durch den geplanten Bau eines Lichtspieltheaters in der Nachbarschaft einer Moschee ausgelöst worden sein.[4] Nach einer späteren, als wahrscheinlicher bezeichneten Darstellung waren die Unruhen auf eine Provokation zurückzuführen.[4] Demnach habe eine Sikh-Gesellschaft namens ‚Singh Sabha‘ ohne Genehmigung eine Prozession an der zentralen Jama-Moschee vorbeigeführt und sich geweigert, das Abspielen von Musik einzustellen.[4] Ein direkter Zusammenstoß konnte zunächst vermieden werden. Später jedoch entlud sich die aufgestaute Missstimmung in Gewalttaten und mehreren Brandstiftungen.[4]
Die Kämpfe breiteten sich rasch über die Stadt aus und waren von großer Heftigkeit. Wie die *China Mail* berichtet, wurden 24 Personen getötet. 50 weitere mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden, einige von ihnen mit schweren Schusswunden.[4] Frühere Berichte sprachen von acht getöteten Mohammedanern sowie 14 verletzten Mohammedanern und neun verletzten Sikhs.[5][4] Der Zorn der Menge richtete sich auch gegen Eigentum: Die Getreidemarkthalle wurde vollständig zerstört. Außerdem kam es in den Seitenstraßen zu ausgedehnten Plünderungen.[5] Auch das mohammedanische Viertel wurde wiederholt angegriffen.[6]
Angesichts der sich verschärfenden Lage sahen sich die Behörden zu einem entschlossenen Eingreifen veranlasst. Starke Abteilungen von Polizei und Militär wurden in die Stadt beordert, um die verfeindeten Parteien zu trennen und die Ordnung wiederherzustellen.[2][1] Unter anderem wurde das britische Regiment der „King’s Royal Rifles“ zur Unterstützung der Polizei eingesetzt.[4] Laut den Berichten ist ausdrücklich festgehalten, dass die Sicherheitskräfte keine Schusswaffen einsetzten.[4] Inzwischen halten Truppen die Stadt besetzt und haben die Lage unter Kontrolle.[5] Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, haben die Behörden alle öffentlichen Ansammlungen sowie das Tragen von Stöcken und ähnlichen Hiebwaffen untersagt.[2]