Die russische Presse befasst sich gegenwärtig eingehend mit Äußerungen aus japanischen Militärkreisen, die Sowjetrussland expansive Bestrebungen im Fernen Osten vorwerfen.[1] Diesen Stimmen zufolge diene die russische Kolonisationspolitik in der Region lediglich der Vorbereitung. Sie habe das Ziel, den japanischen und chinesischen Einfluss in der Mandschurei und der Mongolei zurückzudrängen.[1] Weder Japan noch China, so wird argumentiert, könnten eine solche Entwicklung dulden, da diese Staaten in den betreffenden Gebieten das einzige Ventil für ihren Bevölkerungsüberschuss sähen.[1]

In Moskauer politischen Kreisen werden diese japanischen Berichte mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen.[1] Man verweist darauf, dass Russland weit mehr Interesse an einem friedlichen Ausgleich mit Japan habe und einen modus vivendi anstrebe, statt expansionistischen Neigungen zu folgen.[1] Um die wachsenden Spannungen beizulegen, wurde nun der neue russische Leiter der Ostchinesischen Bahn, Sibrikow, mit einem besonderen Auftrag betraut.[1] Er ist zunächst nach Tokio gereist, um einen Ausgleich in den strittigen Fragen zu suchen.[1]

Unterdessen setzen sich die Machtkämpfe in der Mandschurei fort. Wie die China Mail berichtet, bereitet der amtierende Zivilgouverneur in Mukden die Prägung neuer Dollarmünzen vor.[2] Hierzu wurde eigens eine Münzanstalt im Arsenal der Stadt eingerichtet.[2] Diese Maßnahme soll offenbar die Währungsreserven der Provinz Fengtien stärken und die lokale Autorität festigen.[2] Das rege ausländische Interesse an der strategisch wichtigen Region zeigt sich in einer weiteren Meldung: Der amerikanische Militärattaché aus Tokio inspizierte in Begleitung britischer und amerikanischer Konsularvertreter eine neue Eisenbahnlinie bei Harbin.[2]