Anhaltende, schwere Regenfälle haben in den vergangenen Tagen in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas zu katastrophalen Überschwemmungen geführt. Besonders betroffen sind das südliche und östliche Deutschland sowie Gebiete in Österreich und der Tschechoslowakei, wo zahlreiche Flüsse über die Ufer getreten sind und erhebliche Schäden verursacht haben.[1]

In Sachsen stehen Teile der Stadt Dresden unter Wasser, nachdem die Elbe bedrohlich angestiegen ist.[1] Dem Pariser Figaro zufolge hat der Fluss dort einen Stand von vier Metern über dem Normalen erreicht. Dies führte zur Überflutung ganzer Stadtviertel.[2] Auch aus der Tschechoslowakei werden hohe Pegelstände für die Elbe gemeldet. Laut der Wiener Zeitung wurde in Aussig ein Stand von 410 Zentimetern gemessen. Für den morgigen Tag wird dort sogar ein Anstieg auf 640 Zentimeter erwartet.[3]

Wie die amerikanische Zeitung Evening Star berichtet, ist die Lage auch in anderen deutschen Gebieten äußerst ernst. In Ostpreußen wird befürchtet, dass die Ernte durch die Wassermassen weitgehend vernichtet wurde.[1] Aus Schlesien kommt die Nachricht, dass die Oder in der Gegend von Ratibor die Felder überschwemmt hat.[1] Ferner wurde ein hundert Fuß breites Loch in den Damm der Neiße bei Striegau gerissen. In der Folge wurden mehrere Dörfer überflutet.[1] Auch aus dem Westen und Süden des Reiches werden Schäden gemeldet. An Rhein, Mosel und am Bodensee sind Weinberge schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.[1] Allein für das Land Württemberg wird der durch das Übertreten des Bodensees entstandene Schaden auf über fünf Millionen Mark geschätzt.[1]

In der Tschechoslowakei hat die Moldau in Prag die Ufer überschritten und die tiefer gelegenen Straßen des Stadtteils Karolinenthal überflutet. Der Wasserstand sinkt inzwischen wieder.[3] Auch die großen Talsperren in Nordböhmen, wie die Harzdorftalsperre bei Reichenberg, sind nach Angaben der Wiener Zeitung bis zum Rand gefüllt.[3] Da die Regengüsse in Böhmen nachgelassen haben, besteht Hoffnung, dass die größte Gefahr vorüber ist, sofern kein weiterer Wetterumschwung eintritt.[3]