Die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich, die seit einiger Zeit stockten, haben eine entscheidende Wendung genommen. Wie aus Paris gemeldet wird, hat die deutsche Handelsvertragsabordnung am Sonnabendvormittag dem französischen Handelsministerium die prinzipielle Zustimmung der Reichsregierung übermittelt.[1] Man ist sich auf beiden Seiten darüber einig geworden, zunächst ein Teilabkommen zu schließen, das sich auf die Einfuhr bestimmter industrieller und landwirtschaftlicher Erzeugnisse beziehen soll.[1][2]

Mit dieser grundsätzlichen Zusage ist der Weg für konkrete Detailberatungen frei geworden. Ministerialdirektor Possel hat nach seiner Rückkehr in die französische Hauptstadt die Verhandlungen umgehend wieder aufgenommen.[1] Es besteht der erklärte Wille, die Gespräche nunmehr beschleunigt zu einem Abschluss zu bringen. Laut der Badischen Presse soll das Abkommen dem Reichstag noch vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause zur Ratifizierung vorgelegt werden können.[1] Auch der Pariser Figaro bestätigt, dass die Nähe der Kammerferien in beiden Ländern zur Eile drängt.[2]

Diese wirtschaftliche Annäherung fällt in eine Zeit, in der auf weiteren Gebieten Bemühungen um eine bessere Verständigung unternommen werden. Dem Figaro zufolge ist das Verhältnis beider Länder noch immer von dem Gefühl geprägt, dass der Vorteil des einen notwendigerweise dem anderen schaden müsse.[2] Ein neugegründetes deutsch-französisches „Komitee für Information und Dokumentation“ in Luxemburg verfolgt das Ziel, diese psychologischen Hemmnisse zu überwinden.[2] Das Handelsabkommen stellt damit einen praktischen Schritt dar, der die Beziehungen auf eine sachlichere Grundlage stellt.