Der Austritt Brasiliens aus dem Völkerbund, der sich seit der Völkerbundkrise im März dieses Jahres anbahnte, ist jetzt amtlich. Wie aus London gemeldet wird, hat der britische Außenminister, Sir Austen Chamberlain, am Montag im Unterhaus auf eine Anfrage hin bestätigt, die formelle Mitteilung über den Austritt Brasiliens erhalten zu haben.[1][2] Chamberlain erklärte, er könne sein aufrichtiges Bedauern über diesen Schritt der brasilianischen Regierung nur zum Ausdruck bringen.[3][4] Dem Figaro zufolge äußerte der Minister die Hoffnung, Brasilien möge seine Absicht noch überdenken und sich nicht von der großen und zunehmend mächtigen internationalen Organisation fernhalten, zu deren Erfolg es in der Vergangenheit maßgeblich beigetragen habe.[4]

In den diplomatischen Kreisen richtet sich die Sorge nun auf die Haltung Spaniens. Chamberlain fügte seiner Erklärung hinzu, dass er noch keine offizielle Information erhalten habe, jedoch befürchte, die spanische Regierung werde ebenfalls einen solchen Schritt unternehmen.[1][4] Eine derartige Entwicklung wäre sehr bedauerlich.[4]

Unterdessen bemüht sich die brasilianische Seite, ihre Beweggründe darzulegen. Wie das Berliner Tageblatt aus Genf berichtet, veröffentlicht ein Mitglied der brasilianischen Völkerbundbotschaft, U. Arroyos, eine Schrift unter dem Titel Brasilien und die Krise im Völkerbund 1926.[1] Darin rechtfertigt er den brasilianischen Standpunkt ausführlich. Er widerspricht dem Vorwurf, seinem Land werde die Schuld an der Lähmung der März-Versammlung zugeschrieben. Arroyos weist darauf hin, dass Botschafter Mello Franco aus Taktgefühl und Ergebenheit gegenüber dem Völkerbund darauf verzichtet habe, die Locarno-Mächte zur Offenlegung ihrer Verhandlungsergebnisse über die Zusammensetzung des Rates aufzufordern.[1] Eine solche Enthüllung hätte die Mächte, die tatsächlich für die Krise verantwortlich gewesen seien, in eine äußerst schwierige Lage gebracht.[1]

Gerüchte, die Vereinigten Staaten hätten Brasiliens Entscheidung beeinflusst, werden in Washington entschieden zurückgewiesen. Nach Berichten der China Mail erklärten amerikanische diplomatische Stellen unmissverständlich, dass keine direkte oder indirekte Einflussnahme stattgefunden habe.[3] Der amerikanische Botschafter in Brasilien, Edwin V. Morgan, habe dem Außenministerium telegrafisch versichert, die Meldung sei falsch, dass er Präsident Bernardes zum Austritt seines Landes aus dem Völkerbund gratuliert habe.[3]