Im Festsaal des Zoologischen Gartens wurde diese Woche die erste internationale Schauspielerkonferenz eröffnet, zu der Delegierte aus zwanzig Nationen nach Berlin gereist sind.[1] An der feierlichen Eröffnung nahmen unter anderem Reichsinnenminister Dr. Külz und der preußische Kultusminister Dr. Becker teil.[2] Der Vorsitzende Rickelt begrüßte die Vertreter und betonte, die Konferenz sei ein Baustein für die Völkerverständigung.[2] Reichsminister Külz gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass der Gedanke internationaler Zusammenarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen sei, und kündigte den baldigen Erlass eines Reichsbühnengesetzes an.[2]

Die Verhandlungen der folgenden Tage vermittelten einen umfassenden Einblick in die Lage der Bühnenkunst weltweit.[3] Aus den Berichten wurde deutlich, dass Schauspieler aller Länder vor ähnlichen Herausforderungen stehen.[1] Als große Gefahren für das ernsthafte Theater wurden die seichten Volksbelustigungen genannt, vor allem aber der Film und der Rundfunk.[1] Gleichzeitig hat sich, wie der Vorwärts feststellt, die deutsche Idee der Volksbühne als ein international prägender Gedanke erwiesen. Das Theater solle nicht länger ein Privileg vermögender Kreise sein, sondern eine Bildungsanstalt für alle Schichten des Volkes.[1]

Die Vertreter der einzelnen Nationen schilderten die spezifischen Verhältnisse ihrer Heimatländer. So berichtete Miss Gertrude Kingstone für England, dass dort staatliche Subventionen für die Bühnen fehlten, was ökonomische Schwierigkeiten zur Folge habe.[3] Dem Berliner Tageblatt zufolge sprach Gunnar Klintborg für Schweden, das noch keine eigene Schauspielergewerkschaft besitzt. Harald Stormoen aus Norwegen berichtete von einer zwar gefestigten gesellschaftlichen, aber ungünstigen wirtschaftlichen Lage der Künstler.[3] Von besonderer Bedeutung war der Hinweis, dass die jugoslawische Regierung ihren Bühnenkünstlern den Beamtenrang verliehen hat, um ihre Existenz zu sichern.[1]

Die soziale und wirtschaftliche Lage der Künstler stand im Zentrum vieler Vorträge. Aus den Vereinigten Staaten wurde sogar von einem erfolgreichen Streik gegen ausschließlich gewerblich geführte Theaterunternehmen berichtet.[1] Der französische Delegierte Henri Baur bezeichnete die Zusammenkunft als Friedenskongress, bei dem eine gemeinsame Arbeit zur Förderung der Kunst stattfinde.[4] Ein konkretes Ergebnis der Beratungen zeichnet sich bereits ab: Wie die Wiener Zeitung meldet, soll der Konferenz vorgeschlagen werden, Wien zum ständigen Sitz der zu gründenden Internationalen Schauspielerunion zu bestimmen.[4]