In den Verhandlungen der vorbereitenden Abrüstungskonferenz ist eine Entscheidung gefallen, deren Tragweite für den Fortgang der gesamten Bemühungen noch nicht abzusehen ist. Im Unterkomitee für Landrüstungen wurde am gestrigen Freitag über die grundsätzliche Frage debattiert, ob das Kriegsmaterial als gleichwertiger Maßstab neben den Mannschaftsbeständen für die Rüstungsstärke eines Landes zu gelten habe.[1]

In einer sehr lebhaften Auseinandersetzung wurde von verschiedener Seite betont, dass das Material in der modernen Kriegsführung eine entscheidende Rolle spiele und daher bei jedem Vergleich zwingend zu berücksichtigen sei.[1] Die französischen Delegierten erhoben jedoch gegen diese Auffassung heftigen Einspruch. Sie verlangten, dass in erster Linie nur die aktiven Truppenbestände der Länder miteinander verglichen werden dürften. Das Kriegsmaterial sollte nach ihrer Auffassung lediglich als ein ergänzender Faktor zu werten sein.[1] Die anschließende Abstimmung ergab eine Annahme des französischen Antrags mit neun gegen acht Stimmen bei drei Enthaltungen. Für den französischen Standpunkt stimmten neben den Staaten der Kleinen Entente auch Polen, Belgien, Italien und England.[1] Die deutschen Delegierten zählten zu jenen, die gegen den Antrag votierten.[1]

In sachverständigen Kreisen wird darauf hingewiesen, dass eine endgültige Festschreibung dieser Auffassung die Abrüstungsverhandlungen von vornherein als aussichtslos erscheinen lassen könnte.[1] Die Debatte wandte sich im Anschluss der Frage zu, was überhaupt unter Mannschaftsbeständen zu verstehen sei. Auch in dieser Frage vertritt die französische Seite eine Position, durch welche ihre eigene Heeresstärke rechnerisch erheblich vermindert würde.[1] So wird angestrebt, Rekruten in den ersten sechs Monaten ihrer Ausbildung nicht den aktiven Truppen zuzurechnen. Dadurch würden die offiziellen französischen Heeresbestände um ein Drittel verringert.[1]

Nach französischer Auffassung sollen außerdem jene Truppenkontingente, die in den Kolonialgebieten wie Marokko und Syrien stationiert sind, nicht in die Gesamtstärke eingerechnet werden.[1] Wie aus Genf weiter gemeldet wird, wurde gestern der Bericht des Redaktionskomitees angenommen. Damit sind die Arbeiten dieses Unterkomitees vorläufig abgeschlossen.[1] Eine frühere Entscheidung über den französischen Vorschlag, auch zivile Flugzeugbestände den Luftstreitkräften zuzurechnen, war zuvor vertagt worden.[1]