Der zurzeit in Panama tagende panamerikanische Kongress hat eine weitreichende Resolution angenommen, die auf die Schaffung eines amerikanischen Völkerbundes abzielt.[1] Einem aus New York übermittelten Bericht zufolge werden die Staaten des amerikanischen Kontinents darin aufgefordert, schleunigst eine Konferenz einzuberufen, die eine Verfassung für eine solche Organisation ausarbeiten soll.[1] Die Führung der weiteren Verhandlungen soll der Republik Panama obliegen. Panama möge die Panamerikanische Union drängen, den Vorschlag zügig zu verwirklichen.[1]
Diese Nachricht muss jedoch vor dem Hintergrund der zahlreichen und tiefen Differenzen auf dem amerikanischen Kontinent gesehen werden. Deshalb bewerten manche Beobachter sie als ausgesprochen optimistisch.[1] Insbesondere die andauernde Kriegsgefahr im Tacna-Arica-Gebiet zwischen Peru und Chile stellt eine schwere Belastung für die zwischenstaatlichen Beziehungen dar.[1] Hinzu kommt die offenkundige Feindschaft, die Argentinien und Chile aufgrund der Politik der Vereinigten Staaten empfinden, sowie die jüngsten Kriegsdrohungen Washingtons gegen Mexiko.[1] Diese ungelösten Konflikte behindern den Gedanken einer panamerikanischen Solidarität.[1]
Wie fragil das Fundament für dieses Vorhaben ist, zeigt sich besonders im Abstimmungsverhalten der beteiligten Staaten.[1] Es ist bezeichnend, dass der Vertreter Boliviens gegen den Antrag stimmte. Die Delegationen Brasiliens und — was besonders ins Gewicht fällt — der Vereinigten Staaten von Amerika enthielten sich der Stimme.[1] Die Enthaltung Washingtons dürfte ein klares Zeichen dafür sein, dass die Vereinigten Staaten sich zwar nicht offen gegen eine solche Idee stellen, jedoch keinesfalls bereit sind, ihre Handlungsfreiheit durch die Satzungen einer übergeordneten Organisation einschränken zu lassen.[1]