Die stete Wiederholung ist bekanntlich ein wesentliches Werkzeug der politischen Agitation. Die kommunistische „Rote Fahne“ scheint dieses Prinzip jedoch, wie das sozialdemokratische Hamburger Echo spöttisch anmerkt, auf die Spitze zu treiben, indem sie fortwährend den „Verrat der SPD-Führer“ anprangert.[1] Für Abwechslung in dieser Monotonie sorgte nun eine jüngste Ausgabe des Blattes, die mit der Schlagzeile eines „doppelten Verrats“ aufwartete — eine Steigerung, die in der politischen Welt für einige Heiterkeit sorgt.[1]

Dem Bericht zufolge hat diese publizistische Zuspitzung sogar in Moskau ein Echo gefunden. Grigori Sinowjew, der Präsident der Kommunistischen Internationale, soll eine umfangreiche Epistel nach Berlin gesandt haben. In dieser riet er zur „Sparsamkeit im geistigen Kraftverbrauch“.[1] Die Verdopplung der bewährten Parole vom Verrat berge gefährliche mathematische Konsequenzen, da man dann konsequenterweise zu einem vierfachen, achtfachen und schließlich unendlich vielfachen Verrat fortschreiten müsse, was politisch kaum zielführend sei.[1]

Statt solcher Zahlenspiele empfahl der Moskauer Parteiführer der KPD dem Vernehmen nach, dass die Partei lieber andere ihrer Handlungen stärker herausstellen solle.[1] Dazu zähle etwa die gemeinsame Ablehnung des preußischen Knappschaftsgesetzes, der Vorlage über Reitpferde sowie des Berliner Etats — allesamt Entscheidungen, die die KPD im Reichstag gemeinsam mit den Deutschnationalen getroffen habe.[1]