Der Völkerbundkommissar für die Freie Stadt Danzig, van Hamel, ist in Warschau eingetroffen, um mit der polnischen Regierung in persönlichen Kontakt zu treten.[1] Er wurde heute vom Staatspräsidenten Mościcki empfangen.[1]
Der Besuch findet in der hiesigen Presse ein bemerkenswertes Echo.[1] Übereinstimmend äußern die Zeitungen die Hoffnung, dass der Völkerbundkommissar die kulturellen und administrativen Angelegenheiten der polnischen Bevölkerung in Danzig auch weiterhin unparteiisch behandeln werde.[1] Es wird erwartet, dass es ihm gelingen möge, Kompromisse für die verschiedenen Schwierigkeiten zu finden, die zwischen Polen und der Freien Stadt bestehen.[1]
Besonders ausführlich nimmt der dem Marschall Piłsudski nahestehende Curjer Poranny Stellung.[1] Nach Ansicht dieses Blattes müsse van Hamel sich von einem bloßen Schiedsrichter zu einem Staatsmann im östlichen Europa entwickeln, das weiterhin von Strömungen des Neides und des Verdachts geprägt sei.[1] Die Zeitung erwartet, der Kommissar werde alles vermeiden, was die alten, Europa beunruhigenden Genfer Prozesse wieder aufleben lassen könnte.[1] Stattdessen solle er bei polnisch-danziger Streitigkeiten selbst als Schiedsrichter auftreten und diese künftig direkt in Danzig entscheiden.[1]
Weiterhin fordert das Blatt, van Hamel möge gegen die polenfeindliche Propaganda in Danzig vorgehen.[1] Der Artikel schließt mit der Feststellung, das Ausland dürfe keine Zweifel daran hegen, dass Polen keine Besatzungspläne gegenüber Danzig verfolge.[1] Danzig habe eine bedeutende Mission und solle zu dieser zurückkehren.[1]