Ein übervolles Haus fand sich am Sonntag im Piccadilly-Kino in der Bismarckstraße zu einer Protestkundgebung zusammen, zu der der Ausschuss zur Verhinderung des „Potemkin“-Verbots geladen hatte.[1] Die Veranstaltung richtete sich gegen Bestrebungen, den sowjetischen Film von Sergej Eisenstein in Deutschland mit Zensurmaßnahmen zu belegen. Dieses Verlangen wird insbesondere von württembergischer Seite vorgetragen.[1]
Den Hauptvortrag hielt der Rechtsanwalt Wolfgang Heine, der sich scharf gegen den Versuch wandte, durch gewaltsame Unterdrückung und Zensur den Staat zu retten.[1] Er bezeichnete die Argumente des württembergischen Ministers als ängstlich und kleinlich. Der Film, so betonte er, erzeuge mit großer künstlerischer Wucht menschliche Wirkungen, ohne eine erkennbare Tendenz zu verfolgen.[1] Mit Bedauern stellte er fest, dass sich auch Politiker der Linken für das Verbot eingesetzt hätten.[1]
Weitere Redner untermauerten die Forderung nach freier Kunst.[1] Der Schriftsteller Rehfisch geißelte den heutigen deutschen Film als kitschig. Professor Veit Valentin bescheinigte dem Werk aus wissenschaftlicher Sicht vollkommene Einwandfreiheit.[1] Stürmischen Beifall erntete Korvettenkapitän a. D. Persius, der als Ursache für das Verbotsverlangen „Dummheit, gepaart mit schlechtem Gewissen“, nannte.[1] Er rief aus, die Vergangenheit der Marine sei noch schlimmer gewesen, als es dem deutschen Volk bekannt sei. Er schloss mit der Forderung, es müsse dahin kommen, dass zukünftig auch über der deutschen Flotte Schwarz-Rot-Gold wehe.[1] Der Schriftsteller Stefan Großmann forderte eine Organisierung der deutschen Filmkonsumenten.[1]
Dem *Vorwärts* zufolge fand zur selben Stunde ein bemerkenswertes Gegenprogramm statt.[1] In Staaken drehte eine „Bismarck-Film-Gesellschaft“ Szenen für einen monarchistischen Tendenzfilm.[1] Mit Komparsen, die über Hugenbergs *Lokal-Anzeiger* geworben wurden, inszenierte man Paraden und den Einzug in Paris; dazu wurden das Brandenburger Tor nachgebaut und schwarz-weiß-rote Fahnen verwendet.[1] Als Vertreter der Hohenzollern erschien Prinz August Wilhelm von Preußen, der Sohn des ehemaligen Kaisers.[1]
Die Protestveranstaltung im Piccadilly-Kino schloss mit der Verlesung eines Briefes des Staatstheater-Intendanten Professor Jessner, der sich begeistert für den Film einsetzte.[1] Anschließend wurde der „Panzerkreuzer Potemkin“ mit der eindringlichen Musik von Edmund Meisel vorgeführt und hinterließ bei den Anwesenden einen starken Eindruck.[1]