Die permanente Mandatskommission des Völkerbundes hat ihre Sitzungsreihe beendet, in deren Mittelpunkt die angespannte Lage im französischen Mandatsgebiet Syrien stand.[1] Während die Kommission in Genf tagte, gelangen aus Damaskus beunruhigende Nachrichten über die Brutalität des andauernden Konflikts.[2] Berichten aus amerikanischen Quellen zufolge tobt in Syrien einer der grausamsten Kriege, der von beiden Seiten mit äußerster Härte geführt wird.[2] Es ist von entsetzlichen Misshandlungen und Verstümmelungen an aufgefundenen Opfern die Rede.[2]

Vor diesem düsteren Hintergrund fand in einer geheimen Sitzung der Kommission eine bemerkenswerte Auseinandersetzung zwischen dem französischen Hochkommissar de Jouvenel und dem belgischen Kommissionsmitglied Orts statt.[1] Ein nun veröffentlichter Protokollauszug zeigt, dass Herr Orts den französischen Vertreter mit der Tatsache konfrontierte, die Kommission werde von zahllosen Protesten gegen die französische Verwaltung überschwemmt.[1] Er fragte, wie dies mit de Jouvenels Darstellung vereinbar sei, wonach die Opposition lediglich eine Minderheit darstelle.[1]

De Jouvenel wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die Mehrheit der Bevölkerung sei Frankreich günstig gesinnt.[1] Nichts sei leichter, als massenhaft unterstützende Petitionen vorzulegen.[1] Die Protestschreiben stammten zumeist von syrischen Emigranten; er selbst sei in Damaskus jedoch von 10 000 begeisterten Menschen empfangen worden.[1] Als einen Grund für die Schwierigkeiten nannte er die feindselige Haltung des Königs Feisal von Irak.[1]

Herr Orts ließ sich mit diesen Erklärungen jedoch nicht zufriedengeben.[1] Er erwiderte, zwar könne er nicht Zeuge der de Jouvenel zuteilgewordenen Empfänge sein. Es überrasche ihn jedoch, dass einer pro-französischen Petition Dutzende entgegenstünden.[1] Warum, so seine Frage, protestierten die angeblichen Freunde Frankreichs nicht gegen die Anklagen ihrer Gegner?[1] De Jouvenel entgegnete, die zufriedenen Elemente seien eben ruhig, und die Petitionen stammten meist von Leuten ohne Ansehen.[1] Frankreich stütze sich nicht auf einflusslose Personen, indes seien die einflussreichen Stammesführer — wie etwa der Drusen-Emir Sultan al-Atrasch — untereinander zerstritten und als Regierungspartner ungeeignet.[1]

Eine abschließende Beurteilung des syrischen Mandats durch die Kommission wurde auf die nächste Tagung im November vertagt.[1] Die veröffentlichten Protokolle zeigen jedoch, wie gering der tatsächliche Einfluss der Mandatskommission bleibt, selbst wenn einzelne Mitglieder wie der Belgier Orts oder der Schweizer Rappard unbequeme Fragen stellen.[1]