Aus Kanton eintreffende Berichte bestätigen die vollständige Machtübernahme durch General Chang Kai-shek (Chiang Kai-shek).[1] Nach Angaben der hiesigen Zeitung *China Mail* ist Chang nunmehr der uneingeschränkte Herrscher in der südchinesischen Metropole.[1] In der Regierung von Kanton ist kein einziger Kantonese und auch keine andere Persönlichkeit aus der Provinz Kwangtung mehr in einer einflussreichen Stellung verblieben.[1]

Die jüngste Entwicklung führte zur Flucht zahlreicher prominenter Politiker.[1] Unter ihnen befinden sich Sun Fo, der Sohn des verstorbenen Staatsgründers Sun Yat-sen, sowie der Bürgermeister von Kanton, C. C. Wu.[1] Sun Fo hatte, wie das Blatt meldet, gehofft, den wachsenden Einfluss Chang Kai-sheks auf die Kuomintang-Partei einzudämmen.[1] Sein Schicksal war jedoch besiegelt, als regierungstreue Zeitungen ihm angebliche Verschwörungspläne mit dem inhaftierten General Wu Te-chen zur Last legten.[1] Daraufhin sah er sich gezwungen, die Stadt zu verlassen.[1]

Die Kuomintang-Regierung gilt als vollständig zerschlagen.[1] Dem Blatt zufolge ist Chang Kai-shek nun ein absoluter Diktator. Männer wie der Finanzminister T. V. Soong und der Außenminister Eugene Chen werden nur noch als Galionsfiguren im Amt gehalten.[1] Die Ernennung Changs zum Generalissimus der Armee und die Bekanntgabe der neuen Führungsliste hat Bestürzung ausgelöst, und zwar sowohl bei den Kommunisten als auch im rechten Flügel der Kuomintang.[1]

Die Liste der neuen Machthaber besteht ausschließlich aus persönlichen Gefolgsleuten des Generals, die zumeist aus seiner Heimatprovinz Chekiang stammen.[1] Die *China Mail* betont, dass Chang Kai-shek mit derselben Rücksichtslosigkeit gegen die Russen und die chinesischen Kommunisten vorgeht, wie er zuvor bereits die alten Führer der Kuomintang aus ihren Ämtern verdrängt hatte.[1]