Die Pariser Polizei hat in den letzten Tagen ein Attentat auf den König von Spanien, Alfonso XIII., vereitelt, der sich mit seiner Gemahlin zu einem Staatsbesuch in der französischen Hauptstadt aufhielt. Nach der Abreise des Monarchen am Mittwoch herrscht in den zuständigen Behördenkreisen offenkundige Erleichterung.[1]

Den Sicherheitsorganen gelang es, die Pläne einer Gruppe spanischer Anarchisten bereits 48 Stunden vor der Ankunft des Königs aufzudecken und rasch zu handeln.[2] Im Zuge der Ermittlungen wurden mehrere verdächtige Personen festgenommen.[1] Unter den Verhafteten befinden sich zwei Männer namens Ascano und Duretti, deren Pässe in Buenos Aires ausgestellt wurden.[2] Nach Angaben des amerikanischen *Evening Star* soll Duretti am Banküberfall in Gijon im Jahr 1923 beteiligt gewesen sein, bei dem 600.000 Peseten erbeutet wurden.[2] Auch der *Vorwärts* meldet, dass zwei der festgenommenen Anarchisten in ihrer Heimat als Bankräuber gesucht werden.[1]

Bei den Verdächtigen wurde eine hohe Geldsumme sichergestellt.[1] Ascano und Duretti gaben an, es handle sich um ihre in Argentinien über zwei Jahre angesparten Ersparnisse.[2] Die Polizei verfolgt unterdessen die Spur von drei weiteren Männern, die sich der Verhaftung in Frankreich entziehen konnten.[2]

Der Besuch des spanischen Königspaares war mit höchsten Sicherheitsvorkehrungen verbunden. Dennoch kam es in der französischen Abgeordnetenkammer zu einem Zwischenfall: Ein kommunistischer Abgeordneter äußerte Beleidigungen gegen den König und die spanische Nation. Diese wurden vom Kammerpräsidenten und vom Finanzminister scharf zurückgewiesen.[3] Es wurde ausdrücklich betont, dass der hohe Gast mit der gebotenen Höflichkeit zu behandeln sei.[3]

Nach mehrtägigem Aufenthalt haben König Alfonso und Königin Victoria Paris inzwischen verlassen und sind in London eingetroffen.[2] Wegen der aufgedeckten Verschwörung wurden auch dort außergewöhnliche Schutzmaßnahmen getroffen. Scotland Yard hat, wie aus London gemeldet wird, neben den spanischen Sicherheitsbeamten eigene Spezialkräfte abgestellt, um während des zweiwöchigen Englandbesuchs die Sicherheit des Monarchen zu gewährleisten.[2] Besonders die bekannte Neigung des Königs, Gefahren zu unterschätzen, bereitet den Schutzorganen dabei erhebliche Schwierigkeiten.[2]