Der französische Justizminister Laval hat am Donnerstagnachmittag vor dem Kammerausschuss für elsaß-lothringische Fragen zu den jüngsten Disziplinarmaßnahmen gegen die Unterzeichner des Heimatbund-Manifestes Stellung genommen.[1][2] Laval erklärte, die Regierung habe Elsaß-Lothringen gegenüber eine Politik weitreichender Toleranz verfolgt. Sie könne jedoch nichts dulden, was der nationalen Einheit Abbruch tue.[1] Es gehe nicht um eine Einschränkung der Kritik. Wer sich jedoch derartiger Handlungen schuldig mache, müsse als Gegner behandelt werden.[1] Der Minister räumte dabei ein, dass die Wurzeln der autonomistischen Bewegung bis in die Zeit des Waffenstillstandes zurückreichten.[1]

Der elsaß-lothringische Heimatbund wies unterdessen in einer neuen Erklärung die Vorwürfe einer Steuerung aus dem Ausland als „bewusste, niederträchtige Lüge“ zurück.[1] Die Bewegung sei ausschließlich von Einheimischen unter persönlichen Opfern ins Leben gerufen worden.[1] In der Erklärung wird betont: „Dass wir uns als nationale Minderheit bezeichnen und die Achtung unseres Volkstums sowie unserer Sprache verlangen, kann nichts bedeuten, was der Einheit oder der Sicherheit Frankreichs abträglich wäre.“[3] Man fordere lediglich einen verfassungsmäßigen Zustand, wie er zur Zeit des Waffenstillstandes bestanden habe. Dabei stütze man sich auf französische Vordenker, die seit langem eine Dezentralisation bis hin zum Föderalismus verlangten.[1][3]

Die Regierung setzt ihre Sanktionen indes fort. Wie bekannt wurde, sind neuerdings gegen zehn Eisenbahnbeamte Disziplinarstrafen verhängt worden.[1] In Niederjeutz bei Diedenhofen wurden der Bürgermeister und seine beiden Beigeordneten für die Dauer eines Monats ihrer Ämter enthoben, weil sie ein Manifest mit der Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht unterzeichnet hatten.[1] In Straßburg sorgte die Entlassung des Professors Kopp durch den akademischen Rat für Aufsehen. Die regionale Presse bezeichnet dieses Vorgehen als Herausforderung, die zur Katastrophe führen könne.[3]

Die angespannte Stimmung wird durch scharfe Töne aus dem nationalistischen Lager weiter gesteigert. Der „elsässische“ General und Senator Taufflieb forderte im Journal d'Alsace et de Lorraine, man müsse die Hintermänner der Bewegung „mit dem heißen Eisen brandmarken“.[1] Aus seiner Sicht dürfe es nur noch zwei Parteien geben: jene Elsässer, die Franzosen bleiben wollen, und jene, die unter die „deutsche Fuchtel“ zurückkehren möchten.[1]