Eine schwere Eisenbahnkatastrophe hat sich am Samstagabend auf der Strecke zwischen Le Havre und Paris ereignet. Der Schnellzug entgleiste etwa 22 Kilometer vor der Hauptstadt bei der Station Achères im Walde von Saint-Germain und hinterließ ein Bild der Verwüstung. Nach bisherigen Ermittlungen belaufen sich die Opferzahlen auf 18 Tote und 97 Verletzte, von denen 32 das Krankenhaus bereits wieder verlassen konnten.[1]

Wie die Untersuchung ergeben hat, war der Zug auf ein Nebengleis für Nahverkehrszüge umgeleitet worden, weil das Hauptgleis infolge einer Streckensenkung — verursacht durch das vorangegangene schwere Unwetter — nicht befahrbar war. Dieses Nebengleis bildete keine gerade Strecke, sondern wies eine Kurve auf. Der Lokomotivführer verringerte seine Geschwindigkeit von annähernd 90 Kilometern in der Stunde nicht, und an einer Weiche sprang die Lokomotive aus den Schienen.[1] Dem Vorwärts zufolge legte sich die Maschine mit dem Tender auf die Seite, woraufhin sich zwei Waggons zweiter Klasse ineinanderschoben, ein dritter sich auf den Trümmerhaufen warf und die Wagen erster Klasse die Böschung entlangfuhren, dabei die Lokomotive überholten und in einen Graben stürzten.[1]

Ob der Lokomotivführer von der Umleitung rechtzeitig in Kenntnis gesetzt worden war, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei seiner ersten Vernehmung erklärte er, die Signalscheibe, die eine Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 30 Kilometer vorschreiben sollte, sei nicht aufgezogen gewesen.[1] Die offizielle Erklärung der Bahnverwaltung deutet darauf hin, dass der Sturm möglicherweise verhindert hatte, dass der Führer das entsprechende Signal rechtzeitig wahrnahm.[2] Das Kommuniqué der Staatsbahndirektion nennt das Gewitter als wahrscheinlichste Ursache und verweist darauf, dass die elektrischen Signale nicht einwandfrei funktioniert haben sollen.[1]

Die Rettungsarbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig, da die Wagen fest ineinander verkeilt waren. Hilfe konnte erst geleistet werden, nachdem einige unverletzt gebliebene Reisende den 800 Meter entfernten Bahnhof von Achères zu Fuß erreicht hatten.[3] Erschwerend kam hinzu, dass ein gleichzeitiges Gewitter die Telefonverbindungen störte und die Ankunft der Rettungszüge erheblich verzögerte. Erst gegen 22 Uhr konnte Paris den ersten Hilfszug entsenden.[1] Etwa 40 Verwundete wurden zunächst in der Station notdürftig versorgt und dann mit einem Lokalzug nach Paris gebracht, der fahrplanmäßig an allen Stationen hielt — eine eineinhalbstündige Fahrt, die für die Verletzten einem wahren Martyrium glich.[1] Unter den Verletzten befindet sich nach ersten Feststellungen auch ein gewisser Kohler, deutscher Staatsangehöriger aus Köln.[1]

Eisenbahnminister Vincent, der sich zur Zeit der Katastrophe in Nordfrankreich aufhielt, traf am Nachmittag in Paris ein, besuchte die Verletzten im Krankenhaus und reiste anschließend nach Achères ab, um die Untersuchung der Unglücksursache persönlich zu leiten.[3] Neben der Hauptkatastrophe ereignete sich am selben Samstag in der Nähe von Vigneux bei Paris ein weiterer Zusammenstoß zweier Personenzüge, bei dem zehn Reisende leicht verletzt wurden.[3]

Die Strecke dürfte nach vorliegenden Angaben frühestens an diesem Abend gegen 21 Uhr wieder freigegeben werden.[1]