In dem Odenwaldort Gadernheim kam es am vergangenen Sonntag zu schwerwiegenden Ausschreitungen, als eine Abteilung des Stahlhelms ein dort veranstaltetes Arbeitersängerfest mit Waffengewalt störte. Es war das erste Arbeiterfest, das der Ort je erlebt hatte — und es nahm einen blutigen Verlauf.[1]
Gegen ein Uhr nachmittags fuhr eine Kolonne von etwa 200 schwer bewaffneten Stahlhelmern auf drei Lastwagen mit Anhängern von Frankfurt am Main kommend in den Ort ein.[1] Am Ortseingang verwehrten die Männer den Festteilnehmern den Weitermarsch. Die provozierenden Rufe der Stahlhelmer verschärften die angespannte Stimmung so weit, dass die Lage in offene Gewalt umschlug.[1]
Die Stahlhelmer gaben zunächst blinde Schüsse ab; sodann schwärmten die Besatzungen der beiden anderen Fahrzeuge in Schützenlinie aus und eröffneten das Feuer.[1] Die Festteilnehmer und Ortseinwohner, in höchste Erregung versetzt, antworteten mit Steinen, Knüppeln und anderen greifbaren Gegenständen.[1] Etwa 60 Personen wurden durch Schüsse verwundet. Eine Frau erlitt einen Bauchschuss; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt.[1]
Die Polizei nahm die Stahlhelmer schließlich in Schutzhaft.[1] Über den Hergang im Einzelnen sowie über etwaige Verhaftungen auf Seiten der Festteilnehmer liegen bislang keine näheren Angaben vor. Die Ereignisse in Gadernheim fügen sich in eine Folge von Gewalttaten, die dem Stahlhelmbund in den vergangenen Wochen angelastet werden.