In ihrer Reichsparteileitungssitzung in Brünn am 20. Juni hat die Deutsche Nationalpartei eine Entschließung angenommen, in der die Politik der deutschen aktivistischen Parteien — Bund der Landwirte, Christlich-Soziale und Gewerbepartei — scharf verworfen wird.[1] Die Begründung lautet, diese Politik bringe „der sudetendeutschen Politik im In- und Ausland schwere Nachteile, ohne greifbare Erfolge zu erzielen".[1]
Die der Deutschen Nationalpartei nahestehende Sudetendeutsche Tageszeitung hat daraufhin eine Aufstellung von Forderungen veröffentlicht, deren Erfüllung erst die aktivistische Politik als berechtigt erscheinen lassen solle.[1] Als Mindestprogramm führt das Blatt an: Schulautonomie, Steuerhoheit für rein deutsche Volksangelegenheiten, Wiedereinsetzung aller entlassenen deutschen Beamten, Offiziere und Angestellten, Errichtung deutscher Regimenter, Wiederherstellung der zerschlagenen Großgrundbesitze, Zurückziehung der Sprachenverordnungen sowie die Entsendung deutscher Beamter in das deutsche Siedlungsgebiet unter gleichzeitiger Entfernung aller tschechischen Beamten von dort.[1]
Unser Prager Korrespondent bemerkt dazu, dass jeder, der die politische Lage in der Tschechoslowakei auch nur einigermaßen überblicke, in diesen Wünschen den Anspruch auf territoriale Autonomie erkennen werde.[1] Das sogenannte ‚Mindestprogramm' geht damit weit über das hinaus, was der Aktivismus bislang angestrebt hat.