Nach schweren Ausschreitungen am gestrigen Abend hat der Breslauer Polizeipräsident sämtliche Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel verboten.[1] Anlass zu dieser Maßnahme gaben Ereignisse im Schießwerder, wo Protestkundgebungen des Reichsbanners und der Roten Frontkämpfer in gewalttätige Übergriffe mündeten.[1]

Wie das Harburger Tageblatt berichtet, tagten im dortigen Schützengarten Mitglieder einer Schützengesellschaft, als die Kundgebungen in Ausschreitungen umschlugen.[1] Ein Mitglied der Schützengesellschaft wurde misshandelt, und die Einrichtung des Lokals wurde teilweise zertrümmert.[1] Einem Polizeimajor, der vermitteln wollte, zerrissen die Angreifer die Uniform.[1] Als ein einzelner Polizeibeamter versuchte, einen Zug von etwa 400 Reichsbannerleuten aufzulösen, wurde er angegriffen und zur Flucht auf die nächste Polizeiwache genötigt.[1] Rote Frontkämpfer misshandelten zudem die Insassen eines Automobils.[1]

Der Polizeipräsident begründete das Verbot mit den wiederholten schweren Ausschreitungen der letzten Zeit, bei denen Polizeibeamte beim Einschreiten für die öffentliche Ordnung angegriffen worden seien.[1] Er kündigte an, die Polizei werde sich bei künftigen Vorfällen zur Wahrung der Staatsautorität mit allen Mitteln durchsetzen.[1] Dem Vorwärts zufolge sollen an den Vorfällen neben Roten Frontkämpfern auch Reichsbannerleute beteiligt gewesen sein.[2]