Das Zentralkomitee der Kommunistische Internationale|Kommunistischen Partei Deutschlands hat gegen die frühere Parteiführerin Ruth Fischer einschneidende Disziplinarmaßnahmen verhängt. Laut einem in der Roten Fahne veröffentlichten Beschluss wird Fischer bis zum nächsten Parteitag die Ausübung der Rechte eines Mitglieds des Zentralkomitees untersagt, und ihr wird die Fähigkeit zur Ausübung von Funktionen aberkannt.[1] Dies bedeutet in der Praxis, dass sie ihr Reichstagsmandat nicht wahrnehmen und öffentlich nicht das Wort ergreifen darf.[1]
Dem Beschluss vorausgegangen ist, wie der Pariser Le Temps berichtet, ein Konflikt zwischen Fischer und dem Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale. Fischer sei trotz behördlicher Überwachung nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem sie über Leningrad gereist war und dort ein schwedisches Dampfschiff bestiegen hatte.[2] Das Präsidium der Komintern habe darin einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Parteidisziplin gesehen und sie bereits zuvor als Delegierte beim Exekutivkomitee abgesetzt.[2] Das Zentralkomitee der KPD erklärte nun sein vollständiges Einverständnis mit diesen Beschlüssen der Internationale.[1]
Neben den Maßnahmen gegen Fischer veröffentlichte die Rote Fahne nach Angaben des Hamburger Echo eine weitere Verwarnung des Zentralkomitees an sämtliche oppositionellen Gruppen mit der Aufforderung, jede fraktionelle Arbeit einzustellen.[3] Zwar werde versichert, die Diskussionsfreiheit bleibe gewahrt, doch werde zugleich erklärt, die Bildung von Gruppierungen und Fraktionen sei mit den Grundsätzen einer kommunistischen Partei unvereinbar.[3] Das Hamburger Echo bezweifelt die Wirkung dieser Verwarnung: Da die Opposition in wichtigen Orten teils über die Mehrheit, teils über starke Minderheiten verfüge, werde die Entwicklung der Partei wesentlich vom weiteren Verhalten Maslows und Ruth Fischers abhängen.[3]
Der Vorwärts kommentiert die Vorgänge mit unverhohlenem Spott: Ein System, das Mitgliedern Ehrenrechte aberkennt, sei würdelos — aber würdelos sei auch, wer sich ihm unterwerfe. Eine Parteiführerin, die sich einer solchen Entwürdigung füge, ohne zu rebellieren, eigne sich damit selbst nicht zur Leitung einer Bewegung mit idealem Ziel.[1]