Am Schluss der Landtagssitzung vom Freitag beantragte der sozialdemokratische Abgeordnete Frölich, das Präsidium möge mit dem Ministerium in Verbindung treten, damit die große Anfrage der SPD über die Ausschreitungen der Nationalsozialisten in Weimar endlich beantwortet werde.[1]
Zur Begründung verwies Frölich auf einen Widerspruch, der kaum zu übersehen sei: Die staatliche Pressestelle hatte mitgeteilt, linksradikale Kreise hätten am Samstag und Sonntag planmäßige Provokationen vorgenommen. Demgegenüber habe das offizielle Organ der Regierung, die Thüringer Allgemeine Zeitung, am Montag selbst berichtet, dass sich während des nationalsozialistischen Parteitages kein Reichsbanner- oder Rotfrontkämpfer in Weimar habe sehen lassen.[1]
Darüber hinaus teilte Frölich dem Landtag mit, dass die Kriminalpolizei auf Anzeige eines Nationalsozialisten am Donnerstag Kommunisten verhört habe, ob sie Waffen besäßen. Während des Verhörs seien auch Haussuchungen bei diesen Kommunisten vorgenommen worden, die jedoch sämtlich resultatlos verlaufen seien.[1]
Frölich schloss seine Ausführungen mit dem Vorwurf, was die Pressestelle der Öffentlichkeit mitgeteilt habe, das hätte der Staatsminister dem Landtage offen darlegen müssen. Die Regierung wolle den Tatbestand verschleiern. Wie das Hamburger Echo von seinem Korrespondenten erfuhr, lehnte der Minister dennoch ab, die große Anfrage der SPD in dieser Woche zu beantworten.[1]