Bei den am gestrigen Sonntag im Saargebiet abgehaltenen Gemeinderat- und Kreistagswahlen haben sich die Folgen der Frankeninflation in einem deutlichen Zug zu den Flügelparteien niedergeschlagen. Sowohl die Kommunisten als auch die Deutschnationalen verzeichneten Gewinne, während Zentrum und Saarländische Volkspartei erhebliche Mandatsverluste hinnehmen mussten. Die Sozialdemokraten hingegen behaupteten nicht nur ihren Bestand, sondern konnten in einzelnen Gemeinden sogar Stimmen und Sitze hinzugewinnen.[1]

Die Wahlbeteiligung war in der Großstadt Saarbrücken mit kaum 45 bis 50 Prozent der Stimmberechtigten ausgesprochen schwach; auf dem Lande erreichte sie dagegen in einigen Kreisen bis zu 80 Prozent.[1][2] Das Berliner Tageblatt erklärt die geringe Stadtbeteiligung damit, dass Kommunalwahlen im Saargebiet erfahrungsgemäß auf wenig Interesse stoßen und die Agitation der Parteien diesmal besonders mäßig ausgefallen sei.[3]

Für die Stadt Saarbrücken weist das Hamburger Echo folgende Stimmenzahlen aus: Die Sozialdemokraten erhielten 7.973 Stimmen und damit 18 Sitze (bisher 13), die Kommunisten 4.825 Stimmen mit 8 Sitzen (bisher 4), die Deutschnationalen 2.940 Stimmen und 5 Sitze (3), die Wirtschaftspartei 3.726 Stimmen und 6 Sitze, die Demokraten 1.281 Stimmen und 2 Sitze sowie die Saarländische Volkspartei 5.283 Stimmen und 8 Sitze — gegenüber bisher 14 Mandaten ein empfindlicher Rückgang.[2] Der Vorwärts gibt für Saarbrücken-Stadt die Zentrumsfraktion mit 17 Sitzen an (bisher 19) und die Deutschnationalen mit 6 Sitzen (bisher 3).[1]

In den Landkreisen bestätigte sich das Bild: Im Kreis Saarbrücken-Land errangen die Kommunisten 8 Sitze (bisher 5), das Zentrum sank von 17 auf 13 Mandate, die Saarländische Volkspartei von 8 auf 5.[1] Im Kreis Saarlouis büßte das Zentrum allein 4 Sitze ein und kam nur noch auf 16 Mandate; die Kommunisten stiegen von 3 auf 5 Sitze.[1] Ähnliche Verschiebungen verzeichnen die Bezirke St. Ingbert und Homburg, wo die Kommunisten erstmals überhaupt Sitze erlangen konnten.[1][2]

Das Berliner Tageblatt weist auf eine Besonderheit hin, die über die bloße Stärkung der Extreme hinausgeht: Neben dem Zulauf zu Kommunisten und Deutschnationalen sei eine noch ausgeprägtere Tendenz zur Abwanderung von Wählern der sogenannten Mittelparteien nach links festzustellen gewesen. Die Volkspartei habe dabei Wähler sowohl an die Deutschnationalen als auch an die Demokraten verloren. In der saarländischen Presse werde gefordert, dass alle Verantwortlichen die Zeichen dieser Inflationszeit begreifen lernen.[3]

Der Vorwärts stellt fest, dass der Ruck nach links, den bereits die Wahlen zum Saarländischen Landesrat 1924 aufgewiesen hatten, sich seitdem weiter verstärkt habe. In einer Reihe von Gemeinden wurden Linksmehrheiten aus Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten oder aus den beiden proletarischen Parteien unter Hinzuziehung freier Arbeiterlisten gebildet.[1]