Die Standard Oil Company of New York hat in Kanton (Guangzhou) ein Büro für den Verkauf von Petroleum und Benzin eröffnet. Die Meldung erregt erhebliches Aufsehen, da der Handel mit diesen Erzeugnissen seit Monaten Gegenstand eines Steuerstreits zwischen der Kantonregierung und den großen Ölgesellschaften ist.[1]
Wie die China Mail berichtet, hatte die Kantonregierung im April 1926 Steuern auf Petroleum und Benzin eingeführt, die von den drei führenden Ölgesellschaften als gesetzwidrig abgelehnt wurden. Diese schlossen sich daraufhin zu einem gemeinsamen Vorgehen zusammen und stellten die Lieferungen nach Kanton ein, in der Absicht, eine Knappheit dieser Waren zu erzeugen. Der Plan scheiterte jedoch, da unabhängige Händler aus Übersee große Mengen nach Kanton einführten und so die erhoffte Versorgungslücke schlossen.[1]
Nachdem die Kantonregierung ihr Warenmonopol aufgegeben hatte, wurde der Weg für eine Wiederaufnahme des Handels frei. Die ursprüngliche Steuer von 4,40 Geldeinheiten je Kiste wurde auf 2 Hilfsmünzen — entsprechend etwa 1,50 Hongkong-Dollar — herabgesetzt. Die Standard Oil nimmt die Geschäftstätigkeit auf dieser Grundlage auf, ohne damit die grundsätzliche Rechtmäßigkeit irgendeiner Steuer anzuerkennen. Das Unternehmen verfüge über Lagerbestände, die seit über einem Jahr in Kanton gehalten worden seien, hieß es in Unternehmenskreisen.[1]
Ein Vertreter der China Mail erkundigte sich bei der hiesigen Geschäftsstelle, ob die Büroeröffnung eine allgemeine Einigung aller drei Gesellschaften bedeute und den früheren gemeinsamen Lieferverzicht aufhebe. Dies wurde verneint: Das Unternehmen habe kein Abkommen mit der Kantonregierung geschlossen, sondern reagiere lediglich auf die veränderten Handelsbedingungen. Wie lange Lieferanweisungen aus dem Kantonbüro erteilt werden können, sei gegenwärtig nicht abzusehen.[1]