Die Nordpolfahrt des Luftschiffes Norge zieht weiterhin Kontroversen nach sich, die weit über den Kreis der Polarforscher hinaus Aufsehen erregen. Kapitän Hjalmar Riiser-Larsen, der engste Mitarbeiter Roald Amundsens bei der Expedition, hat in Oslo eine Erklärung abgegeben, die in der Fachwelt einigen Staub aufgewirbelt hat. Laut der Washington Post erklärte er, Admiral Peary habe den Nordpol im Jahre 1909 niemals erreicht.[1] Amundsen selbst habe zwar stets das Gegenteil angenommen und Peary den Ruhm zuerkannt, doch Larsen besteht darauf, dass die norwegische Flagge als erste sowohl auf dem Nord- als auch auf dem Südpol gepflanzt worden sei.[1]
Darüber hinaus wandte sich Larsen gegen die Darstellung, Leutnantkommandant Richard Byrd habe die amerikanische Flagge am Nordpol niedergelegt, als er im Mai über den Pol flog. Byrd habe es schlicht versäumt, eine Flagge mitzunehmen.[1] Diese Behauptung dürfte in amerikanischen Marinekreisen nicht widerspruchslos hingenommen werden. Byrds Überflug des Pols hatte erst unlängst zu offiziellen Ehrungen in seiner Heimatstadt Winchester geführt.
Während die gelehrte Debatte über Polarrekorde anhält, hat die Reise des Norge-Führers Generalmajor Umberto Nobile nach New York neue Aufmerksamkeit auf die Expedition gelenkt. Wie die Badische Presse aus eigenem Kabeldienst berichtet, wurde Nobile bei seiner Ankunft vom italienischen Teil der New Yorker Bevölkerung stürmisch gefeiert und mit einer goldenen Medaille geehrt.[2] Die Washington Post schildert, wie Nobile seinen kleinen Terrier Pipina, das einzige Tier, das je über den Nordpol geflogen ist, im Arm vom Bahnhof durch die Fifth Avenue zum Stadthaus geleitet wurde.[1] Am 28. Juli will Nobile nach Italien zurückkehren.[2]
Für die Zukunft hat Nobile ehrgeizige Pläne: Er beabsichtigt einen Nonstopflug von Rom nach Buenos Aires mit einem neu zu bauenden halbstarren Luftschiff von rund 50.000 Kubikmetern Rauminhalt. Mit dem Bau soll unmittelbar nach seiner Heimkehr begonnen werden.[2]
Ein bisher wenig bekanntes Detail der Norge-Fahrt über den Pol hat ein Expeditionsteilnehmer einem deutschen Pressekorrespondenten in Kopenhagen anvertraut. Dem Bericht der Badische Presse zufolge verlief der feierliche Flaggenabwurf am Pol keineswegs so würdevoll, wie die öffentliche Berichterstattung vermuten ließ.[2] Die Flaggen Norwegens, Amerikas und Italiens sollten an schweren, eisenbeschlagenen Stangen von der Gondel auf das Polareis hinabgeworfen werden, damit sie sich vertikal im Schnee verankerten. Während die norwegische und die amerikanische Flagge vorschriftsmäßig aufrecht im Eis steckten, verhakte sich die Stange der italienischen Flagge beim Abwurf an der Gondel und löste sich erst nach langem Mühen. Die Folge: Die italienische Fahne fiel verknüllt auf das Eis und blieb dort liegen, anstatt zu flattern.[2] Diese Episode, so der Gewährsmann, habe die italienischen Expeditionsmitglieder erheblich verstimmt und sei möglicherweise der Ursprung jener Gerüchte über Spannungen zwischen der italienischen und der norwegischen Besatzung, die in der amerikanischen Presse zirkulierten.[2]