Premierminister Baldwin hat gestern im Unterhaus offiziell bekanntgegeben, dass die Reichskonferenz am 5. Oktober in London zusammentreten wird.[1] Sie dürfte, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, die bedeutsamste ihrer Art sein, da unter anderem das Verhältnis zum Völkerbund zur Aussprache gelangt.[1]
Nach dem beschlossenen Programm soll die Konferenz zunächst eine allgemeine Übersicht über die auswärtige Politik des Empires sowie über die Fragen der Reichsverteidigung und der Verkehrsverbindungen zwischen den einzelnen Reichsteilen umfassen.[2] Unter den wirtschaftlichen Gegenständen steht an erster Stelle das Problem der Ansiedlung britischer Staatsangehöriger in den Dominions, gefolgt von einer allgemeinen Aussprache über den Binnenhandel des Reiches.[2] Ferner sollen laut der Neuen Freien Presse Fragen der Auswanderung, der Verbesserung der Verkehrsmittel sowie die Organisation der medizinischen und naturwissenschaftlichen Forschung behandelt werden.[1] Auch die Doppelbesteuerung industrieller Unternehmungen, die seit längerem als drückendes Hemmnis gilt, steht auf der Tagesordnung.[1] Schließlich soll über die Herstellung von Filmen beraten werden, die für das gesamte Empire von Interesse sind und den Zusammenhalt seiner Teile fördern könnten.[2]
Im Unterhaus richtete der Labourabgeordnete Haden Guest die Frage an Baldwin, ob angesichts der Verhältnisse in Südafrika, Kanada und dem Mutterland eine Vertretung der Opposition möglich sei. Baldwin erwiderte darauf, die Schwierigkeit liege darin, dass die Reichskonferenz stets eine Konferenz der Regierungen gewesen sei und dass für eine offizielle Vertretung von Oppositionsparteien keine Vorkehrung getroffen worden sei.[3]