Am gestrigen Nationalfeiertag hat Paris einem Ereignis von besonderer diplomatischer Bedeutung beigewohnt: der feierlichen Einweihung der mohammedanischen Moschee und des muslimischen Instituts in Anwesenheit des Sultans von Marokko, Muley Jussuf, und des Präsidenten der Republik, Doumergue. In ihren Ansprachen feierten beide Staatsmänner die engen Bande zwischen Frankreich und der islamischen Welt.[1]
Der Figaro schildert den Ablauf der Zeremonie mit anschaulicher Genauigkeit: Eskortiert von der schwarzen scherifischen Garde und einem Geschwader der Republikanischen Garde trafen der Präsident und der Sultan kurz nach drei Uhr auf dem kleinen Platz am Brunnen des Einsiedlers ein. Für den Sultan war es bereits die zweite Begegnung mit der Moschee an diesem Tag — am Mittag hatte er dort ein rein muslimisches Gebet abgehalten, das Gesicht nach Mekka gewandt, in Anwesenheit zahlreicher Kaid. Erst danach hatte Doumergue ihn in seinem Hotel in der Rue François-Ier abgeholt.[2]
In seiner Rede würdigte Doumergue Frankreich als eine Macht des Friedens, der Gerechtigkeit und des Fortschritts. Zwar habe Frankreich den jüngsten Aufstand mit militärischen Mitteln niederschlagen müssen, doch werde es stets die Integrität des scherifischen Reiches verteidigen und dessen Bekenntnisse, Gebräuche und Traditionen schützen und achten.[3] Sultan Muley Jussuf seinerseits sprach den französischen und marokkanischen Truppen seine Anerkennung für die Niederwerfung des Aufstands aus und brachte seine Dankbarkeit gegenüber Frankreich zum Ausdruck.[3]
Einen unerwarteten Missklang brachte die Rückkehr vom Festakt. Als das Gefolge des Sultans und des Präsidenten am Palais Bourbon vorüberfuhr, veranstalteten kommunistische Abgeordnete eine lautstarke Demonstration und pfiffen den Sultan aus. Die zahlreich versammelte Menschenmenge wandte sich daraufhin empört gegen die Störer, die von Kollegen anderer Parteien eilig in das Innere des Kammergebäudes zurückgezogen wurden — nach der Badischen Presse nur knapp, bevor es zu tätlichen Übergriffen hätte kommen können.[1] Das Harburger Tageblatt ergänzt, dass sich die Beschimpfungen auch gegen den spanischen General Primo de Rivera richteten, der ebenfalls an den Feierlichkeiten des Tages teilgenommen hatte.[4]
Bereits bei der Truppenparade am Morgen vor dem Grab des unbekannten Soldaten, an der neben dem Präsidenten und dem Sultan auch Primo de Rivera sowie das diplomatische Korps teilnahmen, hatten einige Kommunisten Pfiffe ertönen lassen und damit die Volksmenge gegen sich aufgebracht. Es kam zu Verhaftungen; die meisten Festgenommenen wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder freigelassen.[5]