Ein furchtbares Naturereignis hat weite Teile des Balkans erfasst und entwickelt sich in Jugoslawien zu einer Krise von beispiellosem Ausmaß.
Die Flüsse Donau, Theiß, Drau und Save steigen unaufhörlich weiter an.[1] Das gesamte Tiefland an der mittleren Donau und im Mündungsgebiet der Theiß droht in den Fluten zu versinken.[2] Besonders ernst ist die Lage in der Batschka. Dort steht eine wertvolle Agrar- und Kulturstätte vor der Vernichtung. Sie wurde von deutschen Kolonisten in zweihundertjähriger Arbeit und im Kampf gegen Wassergefahren und Fieber erschaffen.[2] Laut dem Pariser Figaro nehmen die Überschwemmungen zwischen den Städten Pančevo und Zemun inzwischen bedrohliche Ausmaße an.[1]
Die Verwüstungen beschränken sich nicht auf die Flussniederungen. Ein gewaltiger Wolkenbruch, begleitet von schwerem Hagel, hat in Montenegro das Dorf Rugero vollständig zerstört.[2] Die Zahl der Opfer ist erschütternd: Vierzig Personen kamen ums Leben, zwanzig weitere erlitten schwere Verletzungen, und Tausende von Tieren ertranken in den Wassermassen.[2] Das Unwettergebiet reicht weit über die jugoslawischen Grenzen hinaus. Nach einem Bericht der Wiener Zeitung traten nach heftigen Regenfällen auch im benachbarten Ungarn, insbesondere in den Komitaten Somogy und Zala, die Flüsse über die Ufer und verursachten verheerende Einbußen bei der Ernte.[3]
Angesichts dieses Unglücks, das in ersten Berichten bereits als „nationale Katastrophe“ bezeichnet wird, hat die Belgrader Regierung weitreichende politische und militärische Notmaßnahmen ergriffen.[2] Mehrere Infanterieregimenter wurden umgehend mobilisiert und in die am stärksten bedrohten Gebiete entsandt, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen.[2]
Um die erheblichen wirtschaftlichen Schäden zu bewältigen, beschloss das Kabinett Einsparungen im Staatsapparat. Die Zuschläge der Ministergehälter werden um 30 Prozent gekürzt.[2] Auch die Abgeordneten verzichten auf 20 Prozent ihrer Zuschläge, während die regulären Beamtenbezüge um 5 bis 12 Prozent herabgesetzt werden.[2] Diese freiwerdenden Mittel sollen möglichst rasch den Opfern der Flutkatastrophe zugutekommen.[2] Die diplomatischen Vertretungen melden unterdessen weiterhin keine Besserung der Wetterlage; die Ströme führen beständig mehr Wasser.[1]