Vor dem Sondergericht in Budapest hat der Hochverratsprozess gegen den Kommunistenführer Matthias Rakosi (Mátyás Rákosi) und 55 seiner Gesinnungsgenossen begonnen.[1] Wie die Kölnische Zeitung berichtet, wohnt dem Verfahren auch der Berliner Universitätsprofessor Dr. Artur Rosenberg in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der deutschen Kommunistischen Partei bei.[1] Bereits die ersten Verhandlungstage waren von schweren Konflikten geprägt. Der Hauptangeklagte Rakosi verhielt sich gegenüber dem Tribunal überaus widerspenstig. Das Gericht ließ ihn deshalb wegen ungebührlichen Verhaltens aus dem Saal entfernen und verurteilte ihn zu zwei Tagen verschärfter Einzelhaft.[1] Die Verteidigung stützt sich wesentlich auf die Behauptung aller Angeklagten, ihre im Vorfeld gemachten Geständnisse seien ausschließlich durch polizeilichen Zwang herbeigeführt worden.[1]
Dem Moskauer Parteiorgan Prawda zufolge umfasst die vorliegende Anklageschrift rund 30 Druckseiten.[2] Den Angeklagten wird zur Last gelegt, die Kommunistische Partei Ungarns nach den Direktiven der Moskauer Internationale illegal neu organisiert zu haben. Ziel war, das Rätesystem wieder einzuführen.[2] Die russische Zeitung nutzt den Prozessbeginn, um die innenpolitischen Verhältnisse in Ungarn scharf anzugreifen. Sie spricht von Hunderten verhafteten Arbeitern, die seit dem Sturz der Räterepublik den Repressionen der Budapester Polizei zum Opfer gefallen seien.[2] Unterdessen werden in der Sowjetunion groß angelegte Proteste gegen das Vorgehen der ungarischen Justiz veranstaltet. Nach Berichten der Prawda haben in zahlreichen Moskauer Bezirken Massenkundgebungen stattgefunden, auf denen ungarische Emigranten gegen den sogenannten ‚weißen Terror‘ sprachen.[2] Allein in einem Moskauer Straßenbahndepot verabschiedeten 1200 Arbeiter eine Resolution für die Freilassung Rakosis, während aus Baku Solidaritätstelegramme von 60.000 Ölarbeitern gemeldet werden.[2] Die Verwicklungen um den Budapester Prozess nehmen derweil ungewöhnliche Formen bis nach Russland an. In Moskau wurde der Budapester Polizeibeamte Karl Visny (Károly Visny) zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.[1] Aus der Kölnischen Zeitung geht hervor, dass Visny sich als politischer Emigrant getarnt hatte, um die Verbindungen der ungarischen Arbeiterbewegung nach Moskau auszuspionieren.[1] Dabei soll er einem Bruder Rakosis den Plan unterbreitet haben, den ungarischen Gesandten in Wien mit einem russischen Militärflugzeug zu entführen und diesen als Geisel für Rakosis Freilassung einzutauschen.[1] Das Moskauer Gericht wertete dies als provokatorische Tätigkeit im Auftrag der Budapester Polizei.[1]