Innerhalb des braunschweigischen Stahlhelms ist es zu einem offenen Skandal gekommen, der die Organisation in eine schwere Krise zu stürzen droht.[1] Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht der Landesverbandsvorsitzende Uhlenhaut.[1]

Schon seit Längerem wurde parteiintern kritisiert, dass Uhlenhaut neben seiner regionalen Führungsrolle auch als Geschäftsführer der Stahlhelmwohnungsbaugenossenschaft und der Stahlhelm-Heim-Genossenschaft fungierte.[1] Nachdem die Arbeiten an einem Braunschweiger Bauprojekt monatelang stagniert hatten, erhob die örtliche Ortsgruppe schwere Anschuldigungen.[1] Uhlenhaut, der im Zivilberuf als Baustoff- und Kohlenhändler tätig ist, soll den Stahlhelm wirtschaftlich geschädigt und sich persönlich bereichert haben.[1] Die Beschwerdeschrift der internen Opposition, ein detailliertes Dokument mit 47 Punkten, wirft dem Funktionär unter anderem eigenmächtiges Handeln und Untreue vor.[1]

Nachdem sich Bundesführer Seldte trotz dieser schwerwiegenden Vorwürfe hinter den Beschuldigten gestellt hatte, vollzog die Braunschweiger Ortsgruppe den Bruch.[1] Unter der Führung des Ortsleiters Gruß erklärten zwanzig Kameradschaftsführer, die rund 1600 Mitglieder vertreten, ihren Austritt aus dem Landesverband.[1] In einer Kundgebung wiesen die Abtrünnigen die Entscheidung der Bundesleitung scharf zurück und betonten: „Wir kämpfen für Ehre, Wahrheit und Recht.“[1]

Wie das Berliner Tageblatt meldet, richtet sich der Widerstand nun auch gegen den Bundesführer selbst. Dies lässt ein Übergreifen der Spaltung auf andere Landesverbände befürchten.[1] Uhlenhaut reagierte unterdessen mit juristischen Drohungen. Laut dem Hamburger Echo ließ er ein Zeitungsinserat veröffentlichen, in dem er den ehemaligen Kameraden das Tragen des Stahlhelmabzeichens sowie die Nutzung des Namens streng untersagt.[2] Beide Lager beanspruchen jeweils, allein die nationale Ehre und Würde zu vertreten.[2]