Um den Fortschritt des sowjetischen Flugwesens zu demonstrieren, hat die Regierung der UdSSR für diesen Sommer Fernflüge mit vier Maschinen nach Mitteleuropa, Südeuropa, in die Türkei sowie nach Teheran angesetzt.[1] Auf diese Weise sollen zugleich die Besuche ausländischer Flugzeuge in Russland erwidert werden.[1] Das für Westeuropa bestimmte Flugzeug unter Führung des Piloten Schebanosf ist nach mehreren Verzögerungen am Montagvormittag in Berlin eingetroffen.[1]
Die Maschine war bereits am Donnerstag gestartet. Am Sonntagvormittag befand sie sich auf dem Flug von Danzig nach Berlin, musste jedoch wegen eines erneuten Defekts an der Kühlung im uckermärkischen Schwedt an der Oder zwischenlanden.[2] Dort wurde der Schaden mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer von der Lufthansa entsandter Monteure behoben.[2] Am heutigen Montag erfolgte um 10 Uhr der erneute Start, sodass der Doppeldecker kurz nach 11 Uhr auf dem Zentralflughafen Tempelhofer Feld aufsetzte.[2] Bei dem Flugzeug, das Eigentum der Gesellschaft Aviachim ist, handelt es sich um eine reine Verkehrsmaschine russischer Konstruktion mit drei Passagierplätzen.[1] Sie ist als Metalldoppeldecker mit weit überstehenden oberen Tragflächen ausgeführt und mit einem 260-PS-Maybach-Motor ausgerüstet.[2]
Zur offiziellen Begrüßung hatten sich zahlreiche Persönlichkeiten auf dem Flugplatz eingefunden. Es erschienen der sowjetische Botschafter Krestinski mit dem Militärattaché Luneff, Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, die Direktoren Merkel und Milch der Deutschen Lufthansa sowie Direktor Fette von der Deutsch-Russischen Luftverkehrs-Gesellschaft (Deruluft).[2][1] Auf dem Platz versammelten sich zudem Abordnungen des Roten Frontkämpferbundes und viele dort beschäftigte Bauarbeiter, die das Flugzeug mit lauten Rotfront-Rufen und dem Singen der „Internationale“ empfingen.[2] Nach Beobachtungen der Deutschen Allgemeinen Zeitung schienen die Flieger diesen offen politischen Empfang jedoch überhören zu wollen.[1]
Der Kabine entstiegen zunächst der Inspekteur der russischen Zivilluftflotte Wischneff, der Pilot Schebanosf sowie der Monteur Barabzoff.[2] Botschafter Krestinski hielt eine kurze Ansprache, in der er den Flug als einen Markstein in der Geschichte des Landes würdigte. Er führte aus, dass dieses Ereignis in verstärktem Maße zur deutsch-russischen Verständigung beitragen solle.[1] Wischneff dankte daraufhin für die umfangreiche Hilfe, die das russische Flugzeug auf deutschem Boden erfahren habe.[1] Nach den Reden begab sich die Delegation zur Halle der Lufthansa. Dort wehten zu Ehren der Gäste die Sowjetfahne und die Reichsfarben.[2] Dort übermittelten Geheimrat Fisch vom Reichsluftamt sowie die Direktoren der Lufthansa die offiziellen Willkommensgrüße der Reichsregierung.[2][1]