Ostoberschlesien wird abermals von einer schweren Welle politisch motivierter Gewalt heimgesucht. In der Nacht zum Dienstag ist in Kattowitz und Umgebung eine Reihe von Anschlägen mit Sprengstoff verübt worden, die beträchtlichen Sachschaden verursachten und zahlreiche Menschen in akute Lebensgefahr brachten.[1][2] Wie die Badische Presse berichtet, galt der bedeutendste Anschlag dem Verlagsgebäude der Polonia, dem bekannten publizistischen Sprachrohr des polnischen Politikers Wojciech Korfanty.[2]

Infolge der Aufmerksamkeit eines Nachtwächters konnten die Täter genau in dem Moment gestellt werden, als sie ihr Vorhaben ausführen wollten.[2] Die rasch alarmierte Polizei schritt ein und nahm insgesamt fünf Personen fest.[2] Bei einem der Verhafteten wurde eine gewaltige Dynamitbombe mit einem Gewicht von zwölf Kilogramm gefunden.[2] Die Behörden gaben bekannt, dass die Inhaftierten ausnahmslos Mitglieder des Aufständischenverbandes sind. Diese Organisation rekrutiert sich vorwiegend aus Veteranen der oberschlesischen Aufstände.[2]

Fast zeitgleich kam es in einem Theatersaal in Kattowitz-Josephsdorf zu einer schweren Detonation.[2] Kurz zuvor hatte dort eine Versammlung des Simson-Paul-Vereins stattgefunden. Nach Einschätzung der Ermittler richtete sich der Anschlag aller Wahrscheinlichkeit nach gegen diesen Verein.[2] Nur der glückliche Umstand, dass die Bombe verzögert zur Explosion kam, hat ein unabsehbares Unglück mit zahlreichen Opfern verhindert.[2] Nach polizeilicher Auffassung muss der Sprengkörper bereits vor Beginn der Veranstaltung in dem Saal platziert worden sein.[2] Trotz des ausgebliebenen Personenschadens richtete die Detonation einen erheblichen Sachschaden am Gebäude an.[2]

Die terroristischen Handlungen blieben jedoch nicht auf das unmittelbare Stadtgebiet von Kattowitz beschränkt. Das Harburger Tageblatt meldet einen weiteren Sprengstoffanschlag in Polowo.[1] Dort wurde eine Dynamitbombe gegen das Wohnhaus des Rektors Dudek geschleudert.[1] Dieser war erst kürzlich zu einer Gefängnisstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden.[1] Bei dem Überfall erlitt der Rektor schwere Verwundungen. Das Haus wurde durch die Wucht der Explosion stark beschädigt.[1]

Darüber hinaus vermeldet die Breslauer Berichterstattung ein viertes Attentat in Hohenlohenhütte.[1] Hier wurde der örtliche Geistliche, Pfarrer Müchatz, zur Zielscheibe eines Dynamitanschlags.[1] Genauere Angaben über den entstandenen baulichen Schaden an der Pfarrei oder den Gesundheitszustand des Pfarrers liegen bislang nicht vor.[1] Die Untersuchungsbehörden in Kattowitz konzentrieren sich derweil auf die Verhöre der fünf am Verlagsgebäude der Polonia gefassten Männer, um die Hintermänner dieser offensichtlich koordinierten Bombenserie ausfindig zu machen.[2]