Der von langer Hand vorbereitete französische Angriff gegen die Aufständischen in Syrien hat in diesen Tagen eine neue, überaus entscheidende Phase erreicht. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet, hat die weitreichende militärische Offensive im Distrikt der ausgedehnten Ghuta-Oase vor den Toren von Damaskus soeben mit voller Wucht begonnen.[1] Das Vorgehen der französischen Kommandoebenen zeichnet sich durch eine weitreichende Einkreisungstaktik aus, die offensichtlich darauf abzielt, den hartnäckigen Widerstand der syrischen Verbände in diesem schwierigen Gelände endgültig zu brechen.
Nach detaillierten Berichten des Pariser Temps wurden die vorgesehenen Truppenverbände bereits am 18. Juli rasch und unter strengster militärischer Geheimhaltung an die Front herangeführt.[2] Sie sammelten sich zunächst unbemerkt in einer Entfernung von etwa 30 bis 40 Kilometern vor der äußeren Begrenzung der bewaldeten Ghuta-Oase.[2] In der Nacht zum 19. Juli setzten sich die Einheiten dann zu einem massiven konzentrischen Vormarsch in Bewegung.[2] Dabei überquerten die marschierenden Soldaten das Kassioun-Gebirge, den Dschebel Kalamun, den Dschebel Madin-Merdj sowie die östlichen Ausläufer des Antilibanon.[2] Durch die planmäßige Besetzung einer ausgedehnten Linie, die militärische Schlüsselpunkte wie Abuscharki-el-Bueidah, Ahmet Pascha, Hosch-Bareda, Duma und Barzeh lückenlos umfasste, zogen die Franzosen ein weites, für die Verteidiger kaum durchdringbares Netz um die gesamte Oase.[2]
Bereits am frühen Morgen des 19. Juli zog sich dieses taktische Netz unerbittlich enger zusammen. Die zügig vordrängenden Truppen durchbrachen die äußeren Verteidigungslinien und drangen tief in die Ghuta ein. Sie beseitigten systematisch alle Hindernisse, die von den einheimischen Kämpfern im Vorfeld mühevoll errichtet worden waren.[2] Am 20. Juli vollzog sich schließlich die endgültige Vereinigung der aus verschiedenen Richtungen siegreich vorrückenden Kolonnen.[2] Der Temps spricht in seiner offiziösen Darstellung der blutigen Ereignisse unumwunden von „Banditen“, deren erbitterter Widerstand nun mit Waffengewalt gebrochen worden sei.[2]
Die Bilanz dieser großangelegten Operation verdeutlicht die immense Härte der Gefechte in den vergangenen Tagen. Bis zur Stunde verzeichnen die französischen Stäbe schwere Verluste auf Seiten der syrischen Kräfte.[1] Auf dem zerklüfteten Schlachtfeld wurden nach der vollständigen Einnahme des Geländes die Leichen von 150 Aufständischen gezählt.[1][2] Während die Deutsche Allgemeine Zeitung die Zahl der gemachten Gefangenen exakt mit 286 angibt, meldet der Temps sogar 296 festgenommene Syrer.[1][2] Übereinstimmend geht aus den vorliegenden Berichten hervor, dass die französischen Einheiten zudem 70 Geiseln aus verschiedenen umkämpften Dörfern des Ghuta-Bezirks ausgehoben haben. Diese Geiseln wurden unter starker Bewachung in die Hauptstadt Damaskus verbracht.[1][2]
Unterdessen werfen die unbarmherzigen Kämpfe im Nahen Osten auch ihre düsteren Schatten direkt auf das Deutsche Reich. Wie aus süddeutschen Kreisen gemeldet wird, trafen dieser Tage in der bayerischen Landeshauptstadt München 26 junge Reichsdeutsche ein, denen die riskante Flucht aus der französischen Fremdenlegion in Syrien gelungen war.[1] Die meisten dieser Männer waren unter falschen Vorspiegelungen nach Frankreich gelockt und dort rücksichtslos in die Reihen der Fremdenlegion gepresst worden.[1] Nach einer nur oberflächlichen und unzureichenden militärischen Ausbildung wurden die unerfahrenen Rekruten umgehend in den verlustreichen Kämpfen auf dem syrischen Kriegsschauplatz eingesetzt.[1] Die jungen Flüchtlinge konnten sich den massiven Strapazen und ständigen Lebensgefahren im Levantekrieg entziehen. Ihre Flucht erforderte höchste Entschlossenheit. Sie wurden nun von München aus rasch in ihre jeweiligen Heimatorte weitergeleitet.[1] Mit den Schilderungen dieser Heimkehrer rücken die zweifelhaften Methoden der Rekrutierung für den Kolonialkrieg erneut in ein kritisches Licht.